Tumorerkrankungen bei HIV-Infizierten: die Krebssterblichkeit ist erhöht


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Krebspatienten, die mit HIV infiziert sind, verlaufen Tumorerkrankungen wie Prostata- oder Mammakarzinom im Durchschnitt ungünstiger als in der nicht-HIV-infizierten Allgemeinbevölkerung. Die Karzinome progredieren rascher, und sowohl die allgemeine Sterblichkeit, als auch die Krebssterblichkeit ist bei HIV-Infizierten erhöht (1).

Hintergrund
In westlichen Ländern nimmt der Altersdurchschnitt der mit HIV lebenden Menschen rasch zu. In Deutschland zum Beispiel hat sich die Gesamtzahl der über 40-jährigen HIV-Infizierten seit Beginn der 90er Jahre circa verfünffacht (2). Durch die demografischen Veränderungen in der Population der HIV-infizierten Menschen werden Tumorerkrankungen häufiger. In einer großen Registerstudie aus den USA ist der Verlauf von Malignomen zwischen HIV-infizierten und Nicht-Infizierten verglichen worden (1).

Design

  • Datenbasis: Register der US-amerikanischen Versicherung Medicare
  • Studienpopulation: 308.268 Patienten ≥ 65 Jahre mit nicht fortgeschrittenen malignen Tumoren, darunter 288 Patienten mit HIV
  • Tumorentitäten: kolorektale Karzinome, Prostata-, Lungen- und Brustkrebs
  • Diagnosezeitraum der Krebserkrankung: 1996-2012

Die Teilnehmer mussten die Krebsdiagnose ≥ 1 Jahr überlebt haben.

Hauptergebnisse
HIV-infizierte Krebspatienten hatten eine deutlich erhöhte Gesamtsterblichkeit im Vergleich zu nicht-infizierten Tumorkranken. Die Sterblichkeitsrate war – je nach Tumorart – zwischen 17 % und 73 % erhöht. Solche Unterschiede gab es auch für die Krebssterblichkeit. So betrug die Hazard Ratio für die Mortalität am Prostatakarzinom bei HIV-Infizierten 1,65 im Vergleich zu Nicht-Infizierten und 1,85 für die Sterblichkeit am Mammakarzinom.

Die Forscher prüften, ob die Krebstherapie dem jeweils aktuellen Standard entsprach. Auch wenn Unterschiede in den Erstlinienbehandlungen berücksichtigt wurden, blieb eine Differenz in der Krebssterblichkeit zwischen HIV-infizierten und Nicht-Infizierten. Da die Anzahl der Menschen mit dieser Krankheitskonstellation in westlichen Ländern weiter zunehmen werde, sei eine Optimierung der Behandlungsstrategien dringend erforderlich, so die Autoren.

Klinische Bedeutung
Als Ursache für die erhöhte Krebssterblichkeit von HIV-Infizierten wird vermutet, dass das Immunsystem bei einer HIV-Infektion weniger in der Lage ist, trotz adäquater Krebstherapie an der Kontrolle des Tumorwachstums mitzuwirken. Die in den USA untersuchte Konstellation „HIV-Infektion plus Malignom“ wird auch in Deutschland an Bedeutung zunehmen. Circa 86.000 Menschen leben mit HIV in Deutschland, und während der Anteil der bis zu 40jährigen unter den HIV-Infizierten seit 1990 fast konstant geblieben ist, steigt der Prozentsatz der Älteren rasch an (2).

Finanzierung: National Cancer Institute der USA