Tuberkulose: Gravierende Unterschiede zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen in den USA

  • Cowger TL
  • The Lancet Public Health
  • 21.08.2019

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernaussagen

  • Die Zahl der Tuberkulose-Neuerkrankungen bei Kundern und Jugendlichen in den USA hat sich von 2007 bis 2017 beinahe halbiert.
  • Die Inzidenz war bei einigen ethnischen Gruppen deutlich höher als bei der nicht-hispanischen, weißen Bevölkerung.
  • Die Inzidenzrate bei Kindern und Jugendlichen, die auf den USA angegliederten Inseln leben, ist deutlich höher.
  • Bei einem Drittel der Fälle gab auf Grundlage der existierenden Leitlinien keine Indikation für einen Tuberkulose-Test

Hintergrund

Tuberkulose ist eine vermeidbare und heilbare Infektionskrankheit. Dennoch wurden im Jahr 2018 weltweit rund eine Million Tuberkulosefälle und 233.000 Todesfälle aufgrund von Tuberkulose bei Kindern unter 15 Jahren registriert. Die vorliegende Studie beschreibt die Epidemiologie von Tuberkulose bei Kindern und Jugendlichen in den USA, mit dem Ziel, die Vorsorge und Versorgung zu verbessern.

Studiendesign

Analysiert wurden Daten von Tuberkulosefällen bei Kindern unter 15 Jahren und Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren, die dem National Tuberculosis Surveillance System in den Jahren 2007 bis 2017 gemeldet worden waren, sowie die Schätzungen zu Tuberkulosefällen des IS Census Bureau.

Hauptergebnisse

  • Zwischen 2007 und 2017 wurde im Durchschnitt jedes Jahr bei einem von 100.000 Kindern und Jugendlichen Tuberkulose diagnostiziert.
  • Die Fallzahlen haben sich über den Untersuchungszeitraum beinahe halbiert (um 48%). Während es in 2007 1,4 Fälle pro 100.000 Kinder waren, lag die Inzidenz in 2017 bei 0,8 Fällen pro 100.000 Kindern.
  • Die Fallzahlen waren zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen sehr unterschiedlich verteilt:
    • bei nicht-hispanischen weißen Kindern und Jugendlichen 0,1 Neuerkrankungen pro 100.000;
    • bei asiatischen Kindern und Jugendlichen 4 Neuerkrankungen pro 100.000;
    • afro-amerikanische Kinder und Jugendliche 2 Neuerkrankungen pro 100.000;
    • hispanische Kinder und Jugendliche 2 Neuerkrankungen pro 100.000.
  • Am höchsten waren die Fallzahlen in indigenen Bevölkerungsgruppen. Bei der indigenen Bevölkerung auf Hawaii und den pazifischen Inseln lag die Inzidenzrate bei 14,4 Fällen p ro 100.000 (im Vergleich zu 0,1 bei nicht-hispanischen weißen Jugendlichen ).
  • G eografische Unterschiede zeigten sich insbesondere zwischen den USA und den angegliederten Inseln. Bei Kindern und Jugendlichen auf den angegliederten Inseln waren es 12 Fälle pro 100.000. Allein auf den Marshall-Inseln und in den Föderierten Staaten von Mikronesien, wurden 11% (995 von 9.276) aller Tuberkulose-Fälle in den Jahren 2007 bis 2017 erfasst.
  • Die Inzidenzrate war außerdem höher bei Kindern und Jugendlichen, die außerhalb der USA geboren worden waren (7 von 100.000) sowie bei solchen , deren Eltern außerhalb der USA geboren worden waren (2 von 100.000 bei be i den Eltern, 1 von 100.000 bei einem Elternteil und 0,3 von 100.000, wenn beide Elternteile in den USA geboren worden waren ).
  • Bei einem Drittel der registrierten Fälle gab es auf Grundlage der existierenden Leitlinien keine Indikation für einen Tuberkulose-Test.

Klinische Bedeutung

Es ist davon auszugehen, dass sich die Unterschiede, die zwischen den Ethnien und geografischen Gegebenheiten gefunden wurden, auf sozioökonomische Faktoren zurückführen lassen. Dies zu berücksichtigen ist wichtig für künftige Präventionsmaßnahmen. In einem Kommentar zur Studie betont Michael Lauzardo, University of Florida, USA, der Rückgang der Tuberkulosefälle um 48% innerhalb von 10 Jahren sei zunächst eine gute Nachricht und zeige, dass die Programme zur Prävention von Tuberkulose wirksam seien. Die gravierenden Unte r schiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterstreichen jedoch, dass noch weiterer Verbesserungsbedarf besteht, um alle Kinder und Jugendliche zu erreichen.

Limitierungen

Bei 31% der erfassten Kinder und Jugendlichen war der Geburtsort nicht bekannt, Der Geburtsort der Eltern war erst ab 2009 erfasst worden.

Finanzierung

US Centers for Disease Control and Prevention