Tuberkulose bei Kindern: Test an Mundschleimhautzellen könnte Diagnostik erleichtern

  • Nature Scientific Reports

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Für d ie Abklärung eines Verdachtsfalls auf pulmonale Tuberkulose bei Kindern ist ein PCR-Test an Mundschleimhautzellen in klinischer Entwicklung. Er könnte die labordiagnostische Untersuchung erleichtern. Die Spezifität ist mit 93 % hoch, die Sensitivität mit 43 % allerdings noch nicht zufriedenstellend.

Hintergrund
Die schnelle und sichere Abklärung eines Verdachtsfalls auf pulmonale Tuberkulose ist zentral, um Ausbrüche von Tuberkulose eindämmen und weiteren Infektionen vorbeugen zu können. Bei Kindern ist die labordiagnostische Untersuchung an Sputumproben schwierig, weil sie einerseits wenig Sputum produzieren. Andererseits ist die Zahl der Mycobakterien oft gering. Einen ersten Hinweis auf eine mögliche Infektion gibt der positive Befund im Interferon-Gamma-Release-Assay (IGRA) an Blutproben. Über den IGRA wird eine vermehrte Ausschüttung des Zytokins nachgewiesen, wenn der Patient vor dem Test bereits Kontakt mit Tuberkulose-Antigenen hatte. Ein positiver Testbefund aber muss labordiagnostisch weiter abgeklärt werden, er ist kein sicherer Nachweis. Ein Nachweis basiert auf der – auch zeitlich aufwändigen – Anzüchtung der Bakterien oder auf PCR-basierten Methoden, für die wiederum Sputum erforderlich ist. Nun ist ein PCR-Test mit Proben von Mundschleimhautzellen, die sich leicht gewinnen lassen, in klinischer Entwicklung (1).

Design

  • prospektive Studie mit 201 Kindern (
  • 2 Schleimhautabstriche von beiden Seiten der Mundhöhle zusätzlich zu den üblichen Sputumproben und klinischen und radiologischen Untersuchungen
  • PCR-Diagnostik der Mundhöhlenabstriche auf Mycobacterium tuberculosis und Vergleich der Ergebnisse mit dem gut validierten, automatisierten PCR-Test Xpert® MTB/RIF, der an Sputumproben erfolgt
  • beide PCR-Methoden wurden mit den Ergebnissen der Falldefinion nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation verglichen, inklusive der Kultivierung von Mykobakterien

Hauptergebnisse
Die Sensitivität des PCR-Tests lag bei der Verwendung zweier Schleimhautproben bei 43 % verglichen mit den Ergebnissen der Kultivierung des Erregers, für den Xpert® MTB/RIF-Test war die Sensitivität allerdings mit 64 % deutlich höher. Die Spezifität dagegen war bei beiden PCR-Verfahren vergleichbar: 93 % im PCR-Test an Mundschleimhautproben und 100 % beim PCR-Test an Sputum. Der PCR-Test an Mundschleimhautzellen helfe, eine Antibiose bei Patienten mit klinischem Verdacht auf pulmonale Tuberkulose einzusparen, die tatsächlich aber nicht infiziert sind. Eine Automatisierung der Probenaufbereitung wie im Xpert® MTB/RIF-Verfahren könne helfen, die Sensitivität zu erhöhen.

Klinische Bedeutung
Die Weiterentwicklung der PCR-basierten Nachweisverfahren von Mycobacterium tuberculosis ist nicht nur für Endemiegebiete, sondern auch für westliche Länder relevant, vor allem, wenn es Ausbrüche unter Kindern gibt. Sie kommen auch in Deutschland immer wieder vor. Seit Ende Juli 2019 ist ein Ausbruch von Tuberkulose an zwei Schulen in Baden-Württemberg bekannt geworden, es gibt mit mehr als 100 Infizierte (2). 4 Kinder sind an Tuberkulose erkrankt.  2017/2018 gab es einen größeren Ausbruch an einer Schule in Dresden.

Nachdem die Tuberkulose viele Jahre lang in Deutschland rückläufig war, nimmt die Inzidenz seit einigen Jahren wieder zu. Die Zahl der jährlich gemeldeten Neuerkrankungen liegt zwischen 5.400 und 5.800 (2015: 5865; 2017: 5486; 2018: 5429; [3]). Die Inzidenz der Tuberkulose ist bei Menschen mit Migrationshintergrund 19-20 Mal höher als in der deutschstämmigen Bevölkerung. Größere Ausbrüche sind häufig Folge von Kontakten mit infektiösen Personen, bei denen die Erkrankung wegen geringer Symptomatik über längere Zeit unbemerkt bleibt. Menschen mit Immunsuppression, zum Beispiel durch eine HIV-Infektion, haben ein erhöhtes Risiko.

Finanzierung: öffentliche Mittel