Trump und das Virus, ein Tagebuch und die Hoffnung auf Impfstoffe


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Aktuelles im Fokus
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Donald Trump ist angeblich auf den Weg der Besserung und könnte nach der Entlassung aus dem Krankenhaus im Weißen Haus weiterbehandelt werden. An den Angaben der verantwortlichen Ärzte zur Erkrankung und zum Gesundheitszustand des US-Präsidenten gibt es allerdings einige Kritik. Von einem „Informations-Chaos“ ist teilweise auch die Rede. Einen interessanten Vorschlag zur Klärung von Infektionsketten und damit zur Eindämmung des Infektionsgeschehens hat der Berliner Virologe Christian Droste gemacht: Ein Cluster-Tagebuch. An Impfstoffe gegen das neue Corona-Virus sollten keine übertriebenen Erwartungen gestellt werden, heißt es.

Offizielle Angaben zu Trump

Der Zustand von US-Präsident Donald Trump habe sich „weiter verbessert“, sagte gestern Trumps Leibarzt  Dr. Sean Conley. Sollte sein Gesundheitszustand Verfassung so bleiben, könnte er angeblich schon heute das Krankenhaus verlassen und wieder ins Weiße Haus zurückkehren, so Dr. Brian Garibaldi vor dem Walter Reed-Krankenhaus in Bethesda. Trumps Ärzte räumten aber ein, dass die Sauerstoffsättigung im Blut des Präsidenten zwischenzeitlich unter 94 Prozent gesunken sei. Auf die Frage, ob sich die Infektion auf Trumps Lungen ausgewirkt habe, erklärte Conley laut Medien-Berichten, dass es erwartete Befunde gebe, aber „nichts von größeren klinischen Bedenken“. 

Die Informationspolitik der verantwortlichen Ärzte und des Weißen Hauses wird allerdings stark kritisiert, unter anderem wegen widersprüchlicher und auch unvollständiger Angaben. Insgesamt besteht unverändert große Unsicherheit, wie es medizinisch mit Trump und politisch mit den USA weitergeht. Was nicht allein am gegenwärtigen politischen Zustand des Landes liegt, sondern auch an dem Virus selbst. Selbst nach der so genannten Genesung sind relativ viele COVID-19-Patienten nicht wirklich gesund und haben weiterhin erhebliche gesundheitliche Einschränkungen.

Prävention eines zweiten Lockdown: das Cluster-Tagebuch

Um Infektionsketten nachvollziehbar zu machen, empfiehlt Professor Christian Drosten jedem Bürger, ein sogenanntes Cluster-Tagebuch zu führen. Hält man sich in einer größeren Menschenansammlung auf oder trifft man sich mit mehreren Freunden, sollte danach notiert werden, wo das stattgefunden hat  und wer alles dabei war. Bei einem positiven Test auf SAR-CoV-2 sei es dann leichte, mögliche Kontakt-Personen ausfindig zu machen. Sobald Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar seien und nicht unterbrochen werden könnten, sei auch in Deutschland ein exponentieller Anstieg der Corona-Infektionen wie in Frankreich möglich - und damit ein erneuter Lockdown, warnte oder Virologe in seinem Podcast. Darüber hinaus erinnerte Drosten daran, wie wichtig und nützlich - außer der körperlichen Distanz  und Hygienemaßnahmen- das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist (Stichwort AHA-Regeln).

Auch Impfstoffe natürlich keine „Wundermittel“

Das Einhalten der AHA-Regeln wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch noch lange notwendig sein. Denn zum einen steht noch kein wirklich ausreichend geprüfter, wirksamer und sicherer Impfstoff zur Verfügung. „Eine 1. Generation von COVID-19-Impfstoffen wird voraussichtlich Ende 2020 oder Anfang 2021 zugelassen“, schreiben laut einem aktuellen Medscape-Bericht  Prof. Dr. Malik Peiris und Prof. Dr. Gabriel M. Leung von der University of Hong Kong im Fachmagazin „The Lancet“. Entgegen den großen Hoffnungen sähen sie in Vakzinen aber nicht die Wunderwaffe, um zur Normalität vor der COVID-19-Pandemie zurückzukehren, heißt es zudem. Ungeklärt seien immunologische Fragen, aber auch praktische Aspekte zur Impfstoff-Verteilung. 

„Es gibt mehr offene als beantwortete Fragen", wird auch Professor Tobias Welte, Pneumologe an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), in einem NDR-Beitrag zitiert. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man sagen, bei gesunden, jungen Probanden erzeugen die Impfstoffe eine Immunantwort. „Aber wir wissen nicht, ob das tatsächlich einen Impfschutz gegen die Erkrankung gibt“, so Welte in dem Beitrag von Oda Lambrecht und Christian Baars. Welche Fragen noch unbeantwortet seien und welche Schwierigkeiten möglicherweise auftreten könnten, hat der New Yorker Virologe Dr. Florian Krammer (Icahn School of Medicine at Mount Sinai) in der Zeitschrift „Nature" beschrieben. Wie bereits berichtet, ist es unter anderem eine besondere Herausforderung, für alte Menschen wirksame und sichere Impfstoffe zu entwickeln, also gerade für die Menschen, die besonders gefährdet für schwere und tödliche Verläufe der Virus-Erkrankung sind. Ältere Menschen sprächen in der Regel nicht gut auf Impfstoffe an, erläutert Krammer. Ein Grund dafür ist, das auch das Immunsystem altert.