Trotz Therapie der neovaskulären AMD: Nach 2 Jahren ist häufig auch das zweite Auge betroffen

  • JAMA Ophthalmology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Auch unter einer Anti-VEGF-Therapie besteht für Patienten mit einer neovaskulären AMD ein hohes Risiko, dass die Krankheit auf das zweite, zuvor nicht betroffene Auge übergreift. Die Konversionsrate lag hier bei unterschiedlichen Wirkstoffen und Therapieschemata bei annähernd 25 % über einen Zeitraum von 2 Jahren.

Hintergrund

Die Wirkstoffe Aflibercept und Ranibizumab, welche die Ausbildung von Blutgefäßen hemmen, werden bei der neovaskulären, altersbedingte Makuladegeneration (nAMD) in das betroffene Auge injiziert. Von Interesse ist, inwiefern dadurch auch die Entwicklung einer nAMD im (noch) nicht betroffenen Auge verzögert werden könnte, beziehungsweise welche Ausgangscharakteristika die Wahrscheinlichkeit einer Konversion beeinflussen.

Design

Post hoc-Analyse zweier randomisierter, doppelt-maskierter, multizentrischer Studien der Phase 3 (VIEW 1 und VIEW 2) von jeweils 96 Wochen Dauer, bei denen die Wirksamkeit und Sicherheit intravitrealen Aflibercepts geprüft wurde, das 2457 Patienten in ein zuvor unbehandeltes Auge mit nAMD verabreicht wurde. Für die aktuelle Auswertung wurden die Patienten in vier Gruppen unterschieden, die Ranibizumab oder Aflibercept in unterschiedlichen Dosierungen und Zeitabständen erhalten hatten. Dem gegenübergestellt wurde die Inzidenz der Konversion zu nAMD im zweiten, zuvor nicht beeinträchtigten Auge.

Ergebnisse

  • Unter den 1561 Patienten, die in dieser Auswertung eingeschlossen werden konnten, hatte sich nach 96 Wochen bei 375 Personen im zweiten Auge eine nAMD entwickelt. Im Detail waren es:
    • 27 % (107 von 399) unter 0,5 mg Ranibizumab / 4 Wochen
    • 24 % (93 von 387) unter 2 mg Aflibercept / 4 Wochen
    • 21 % (84 von 387) unter 0,5 mg Alfibercept / 4 Wochen
    • 23 % (91 von 388) unter 2 mg Aflibercept / 8 Wochen nach 3 Dosen im 4-Wochen-Abstand
  • Folgende Faktoren waren mit einer höheren Konversionsrate assoziiert:
    • Zunehmendes Alter der Patienten (je 10 Jahre) – Chancenverhältnis HR 1,20 (95%-Konfidenzintervall 1,05 – 1,36)
    • Weibliches Geschlecht – HR 1,32 (95%-KI 1,06 – 1,63)
    • Intraretinale Flüssigkeit im behandelten Auge – HR 1,28 (95%-KI 1,02 – 1,61)
    • Zunehmende Größe der Läsion der Aderhaut im behandelten Auge (je 10 mm2) – HR 1,29 (95%-KI 1,06 – 1,57)

Klinische Bedeutung

Die Studie beziffert das Risiko einer Konversion des nicht behandelten Auges bei Patienten mit aktiver nAMD mit annähend 25 %, wobei keine der hier getesteten unterschiedlichen Therapien eindeutig überlegen war. Es wurden mehrere Warnzeichen identifiziert, die eine besonders engmaschige Überwachung der Patienten zur Folge haben sollten.

Finanzierung: Regeneron Pharmaceuticals Inc und Bayer HealthCare.