Trotz sinkender Todeszahlen ist Meningitis weltweit weiter auf dem Vormarsch


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Zwar ging von 1990 bis 2016 die Zahl der Todesfälle durch Meningitis weltweit zurück. Die Zahl der Neuerkrankungen weist für den selben Zeitraum jedoch eine steigende Tendenz auf. Das ergab die Auswertung epidemiologischer Daten im Rahmen der Global Burden of Disease (GBD)-Studie (1).

Hintergrund

Meningitis ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute. Sie wird ausgelöst durch Infektionen mit verschiedenen Bakterien, Mycobakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten, kann aber auch im Rahmen einer Autoimmunerkrankung, von Krebs oder als Nebenwirkung bestimmter Therapien auftreten. Meningitis geht mit einer hohen Sterblichkeit einher und kann zu schwerwiegenden Behinderungen führen. Ziel der vorliegenden Studie war es, nicht nur die weltweite Zahl der Neuerkrankungen und Todesfälle durch Meningitis zu ermitteln. Vielmehr ging es den Autoren auch darum, aufzuzeigen, an welcher Stelle Handlungsbedarf besteht.

Design

Die GBD-Studie kalkuliert die Krankheitslast auf der Grundlage zur Verfügung stehender epidemiologischer Daten (2,3) . Neben Gesamtzahlen zur Häufigkeit und Sterblichkeit gingen die Autoren auf vier verschiedene Untergruppen ein: Meningitis verursacht durch Pneumokokken, Meningokokken, Haemophilus influenza B (HiB) sowie weitere Meningitis-Ursachen.

Hauptbefunde

- Die Zahl der Neuerkrankungen mit Meningitis nahm weltweit von 2,5 Millionen im Jahr 1990 auf 2,82 Millionen im Jahr 2016 zu. Am höchsten war die Zahl der Neuerkrankungen im afrikanischen Meningitis-Gürtel.

- Die Zahl der Meningitis-Erkrankungen durch (HiB) ging um fast 50 Prozent zurück.

- Die Zahl der Todesfälle durch Meningitis ging von 1990 bis 2016 um 21 Prozent zurück. Die Zahl der Todesfälle war im Meningitis-Gürtel am höchsten. Darüber hinaus zählen Indien, Pakistan, Afghanistan und China zu den 10 Ländern mit der höchsten Sterblichkeit aufgrund von Meningitis.

- Während Meningokokken-Meningitis 1990 noch die meisten Todesfälle verursachte, übernahmen 2016 die „weiteren Ursachen“ die Führung. Meningokokken-Meningitis als Todesursache war stark rückläufig.

- Pneumokokken-Meningitis verursachte 2016 die meisten schwerwiegenden Behinderungen.

- Besonders stark betroffen von Meningitis sind Kinder unter fünf Jahren: 54 Prozent aller Neuerkrankungen und 46 Prozent aller Todesfälle fiel auf diese Altersgruppe. Kinder unter einem Jahr tragen das höchste Risiko für neurologische Behinderungen aufgrund von Meningitis.

Klinische Bedeutung

Ein Rückgang der Todesfälle durch Meningitis um 21 Prozent klingt zunächst vielversprechend. Allerdings nimmt die Zahl der Neuerkrankungen weiter zu. Im Vergleich dazu sind Masern um 93 Prozent zurückgegangen und Tetanus um 90,7 Prozent. Das zeigt, dass bei Meningitis noch immer starker Handlungsbedarf besteht, um die Krankheit weiter einzudämmen. Ein Kommentar zur Studie (4) hebt hervor, dass sich der starke Rückgang der Meningitisfälle durch HiB vorrangig auf Impfprogramme zurückführen lässt. Auch das Impfprogramm MenAfriVac hat mit Impfungen gegen Meningokokken A im anfrikanischen Meningitis-Gürtel gute Erfolge gezeigt, auch wenn das Programm noch nicht in allen betroffenen Ländern konsequent durchgeführt wurde. Diese Erfolge zeigen aber auch den Bedarf an neuen Impfstoffen, die weitere Untertypen erfassen, beziehungsweise an Imfpstoffen, die einen umfassenderen Schutz bieten. Darüber hinaus gilt es Gesundheitssysteme zu stärken, um eine bessere Prophylaxe durchführen zu können.

Finanzierung

Bill & Melinda Gates Foundation