Trotz sinkender Sterberaten wird die absolute Zahl der Krebstoten in der EU auf 1,4 Millionen anwachsen


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Projektion für das laufende Jahr 2019 sagt für die Europäische Union etwa 1,4 Millionen Krebstote vorher. Die absoluten Zahlen würden damit um annähernd 5 % über denen des Jahres 2014 liegen, jedoch sind die Sterberaten sowohl für Männer als auch für Frauen deutlich gesunken.

Hintergrund und Design

Statistiken zu Krebserkrankungen werden in der Regel erst mit mehrjähriger Verzögerung verfügbar. Die Autoren haben deshalb Daten von Eurostat und der Weltgesundheitsorganisation zur Bevölkerung und zu krebsbedingten Todesfällen für die Jahre 1970 – 2014 herangezogen und mit statistischen Methoden eine Schätzung der Krebsmortalität für das Jahr 2019 sowie der vermiedenen Todesfälle für die Jahre 1989 – 2019 vorgelegt. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Mammakarzinom.

Hauptergebnisse

  • In diesem Jahr (2019) werden in der Europäischen Union voraussichtlich etwa 1.409.700 Menschen an Krebs sterben, was einen Anstieg von 4,8 % gegenüber 2014 darstellen würde.
  • Die altersstandardisierten Sterberaten werden 2019 bei 130,9 / 100.000 Männer und bei 82.9 / 100.000 Frauen liegen.
  • Diese Sterberaten sind seit 2014 bei Männern um 5,9 % gesunken, bei Frauen um 3,6 %.
  • Bei Frauen wird die Lungenkrebsmortalität weiter ansteigen und im Jahr 2019 eine Rate von 14,8 erreichen. Beim Brustkrebs ist die Entwicklung gegenläufig. Hier wurde ein weiteres Absinken der Sterberate auf 13,4 vorhergesagt. Dies wäre dann ein Rückgang um 35 % in den vergangenen 3 Dekaden.
  • Im Vergleich zur höchsten Sterberate, die 1988 erreicht wurde, wurden in der EU in den Jahren 1989 – 2019 etwa 5 Millionen Krebstote verhindert, darunter etwa 440.000 durch Brustkrebs.

Klinische Bedeutung

Belastbare Statistiken sind essenziell zur Bedarfsplanung. Sie können dazu beitragen, Defizite aufzudecken und hohe, aber realistische Maßstäbe zu setzen. Allerdings wird die Genauigkeit der Vorhersagen zur Krebsmortalität limitiert durch die Qualität der zugrunde liegenden Daten. Diese ist innerhalb der EU uneinheitlich, sodass die resultierenden Zahlen nur als Näherungen gelten können. Da es sich außerdem um Durchschnittswerte handelt (es werden auch im Supplement nur die 6 größten EU-Länder einzeln dargestellt), sind diese womöglich weniger aussagekräftig als Statistiken, die über einen längeren Zeitraum in Regionen mit einheitlichen Versorgungsstrukturen gewonnen werden.

Finanzierung: Italienische Gesellschaft für Krebsforschung (AIRC), Italienisches Ministerium für Unterricht, Universitäten und Forschung (MIUR).