Trotz eines Medikationsplans wissen ältere Patienten über ihre Medikamente oft zu wenig


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Patienten können oft den Namen, aber nur selten die Dosierung, Einnahmefrequenz und Indikation ihrer Medikamente angeben. Mit zunehmender Anzahl verordneter Medikamente sinkt die korrekte Auskunftsfähigkeit der Patienten. Nicht das Vorhandensein eines Medikationsplans, sondern seine Nutzung verbessert die Auskunftsfähigkeit. Allgemeinärzte verfügen häufig nicht über Informationen zu allen verordneten Medikamenten.

Hintergrund

Für eine korrekte Einnahme und einen sicheren Umgang mit der eigenen Medikation ist es wichtig, dass Patienten bestimmte Informationen über ihre einzunehmenden Medikamente kennen und Auskunft geben können. Die Studie untersucht, welche Auskunft Patienten über ihre verordneten Medikamente geben können und welche Faktoren die Auskunftsfähigkeit beeinflussen. Drei Viertel aller Patienten, die Forscher der Universitätsmedizin Greifswald an zehn Hausarztpraxen in Südniedersachsen und Thüringen befragen ließen, nahmen drei oder mehr Medikamente ein. Bei der Hälfte waren es sogar fünf oder mehr. Bei dieser Zahl an verordneten Arzneimitteln stellt sich die Frage, inwieweit die im Durchschnitt 65 Jahre alten Patienten den Überblick behalten.

Design

In dieser Querschnittstudie wurden 637 Patienten in zehn Allgemeinarztpraxen (Teilnahmerate 57 %) über Name, Dosis, Einnahmefrequenz und Indikation ihrer verordneten Medikamente befragt. Die Patienten-Angaben wurden mit der Praxisdokumentation verglichen. Die Umfrage fand vor der bundeseinheitlichen Einführung des Medikationsplans statt (vor Okober 2016).

Hauptergebnisse

Am häufigsten, nämlich zu 75 Prozent, konnten die Patienten die Namen ihrer Medikamente korrekt benennen. Für welche Erkrankung sie die Mittel benötigen, wussten dagegen nur 47 Prozent der 673 Studienteilnehmer. Die Auskunftsfähigkeit ließ bei Patienten mit ≥ 5 Medikamenten nach. Eine höhere Schulbildung war mit einem höheren Anteil korrekter Angaben assoziiert. 

Knapp zwei Drittel der Patienten besaßen einen Medikationsplan und 19 % nutzten diesen zur Beantwortung der Fragen. Der Besitz eines Medikationsplans alleine zeigte keinen positiven Effekt auf die korrekte Auskunftsfähigkeit, jedoch seine Anwendung. Diejenigen, die ihn nutzten, waren bei der Befragung häufiger in der Lage, korrekte Angaben zu ihren Medikamenten zu machen. Den Namen der Arzneimittel konnten sie 3,16-fach häufiger nennen als Patienten ohne Medikationsplan. Die Dosierung wurde 2,65-fach öfter richtig genannt, und die Angaben zur Einnahmefrequenz stimmten 2,03-fach häufiger. Besonders ausgeprägt war der Nutzen des Medikationsplans bei den Patienten mit ≥ 5 Medikamenten.

Klinische Bedeutung

Die beobachtete unzureichende Auskunftsfähigkeit der Patienten zu ihrer Medikation hat nach Angaben der Autoren viele Gründe. So verfügten die Hausärzte nicht immer über aktuelle Informationen oder Dokumentationen zu allen von den Patienten eingenommen Medikamenten und das, obwohl sie einen großen Teil der Medikationspläne selbst erstellt hatten. Das sei ein Hinweis auf einen unzureichenden Informationsaustausch, eine Schnittstellenproblematik zwischen dem ambulanten und stationären Sektor und zwischen ambulanten Fachärzten. 

Da die meisten Patienten den Medikationsplan nicht nutzten, sollten nach Ansicht der Autoren technische Lösungen, etwa eine zentrale Datenspeicherung, entwickelt werden, die unabhängig von einem unvollständigen und im Bedarf oft nicht vorhandenen Medikationsplan aus Papier oder elektronischer Gesundheitskarte die Versorgungs- und Therapiesicherheit und den Austausch zwischen Ärzten und Institutionen gewährleisten könnten. Ein Papier-Medikationsplan sei dennoch wichtig. Er sei für viele Patienten eine wichtige Erinnerungsstütze und könne bei Arztbesuchen und in Notfällen vorgelegt werden. 

Finanzierung: Die Autoren geben an, dass die Studie und die Veröffentlichung nicht finanziell unterstützt wurden.