Tropische Zecken in Deutschland: teilweise mit gefährlichen Krankheitserregern


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Tropische Zecken der Gattung Hyalomma treten in diesem Sommer gehäuft in Deutschland auf. Die Ektoparasiten sind deutlich größer als der Holzbock und haben gestreifte Beine. Bei einigen der tropischen Zecken wurden potenziell hochpathogene Krankheitserreger isoliert.

Hintergrund
Durch Warentransporte oder Reisen werden immer wieder für Mitteleuropa untypische Krankheitserreger oder deren Überträger nach Deutschland eingeschleppt. Ein großer Teil der Überträger oder der Krankheitserreger kann wegen der deutlich anderen klimatischen Bedingungen als in den Herkunftsregionen in Deutschland nicht dauerhaft persistieren oder sich vermehren. Ob dies für tropische Zecken der Gattung Hyalomma so bleiben wird, ist nach Angaben von Parasitologen und Mikrobiologen derzeit unklar. Offenbar wegen der lang anhaltenden warmen, trockenen Witterung werden sie in diesem Jahr vermehrt in Deutschland gefunden (1).

Design

  • Identifizierung von in Deutschland bislang seltenen Zeckenarten an den Universitäten Hohenheim (Fachgebiet Parasitologie) und am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München
  • Quelle der Parasiten: öffentliche Gesundheitsämter, denen die Tiere wegen des ungewöhnlichen Aussehens gebracht worden waren

Hauptergebnisse

Die meisten der 7 an den Instituten bislang bestimmten Zecken gehören zur Gattung Hyalomma, vor allem Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes. Sie stammen ursprünglich aus den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas. In Mittel- und Nordeuropa kamen sie bisher nur sehr vereinzelt oder gar nicht vor (2). Im eurasischen Raum gelten beide Arten als wichtige Überträger des Virus, das das Hämorrhagische Krim-Kongo-Fieber verursacht, und des Alkhumra-Virus, dem Erreger des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers. Das Bakterium Rickettsia aeschlimannii, das eine Form des Zecken-Fleckfiebers auslöst, wurde aus einem Exemplar in Deutschland isoliert.

Innerhalb weniger Tage sind zusätzlich weitere Exemplare der ungewöhnlichen Zecken an die Institute in Hohenheim und München geliefert worden, diese seien noch nicht vollständig bestimmt (1). Die Zecken der Gattung Hyalomma sind nach Angaben der Forscher deutlich größer als der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) und haben gestreifte Beine.

Klinische Bedeutung

„Die Zahl der in kurzer Zeit identifizierten tropischen Zecken scheint überschaubar, doch bei den Forschern lässt sie die Alarmglocken schrillen“, erläutert Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Universität Hohenheim (3). „Wir befürchten, dass sich die Blutsauger hier etablieren können. Sie tragen ein völlig anderes Pathogenspektrum in sich als Ixodes.“ An großen Weidetieren seien die tropischen Zecken am häufigsten: vor allem Pferden, aber Schafen und Rindern. Es sei wichtig, dass Tierbesitzer auf diese ungewöhnlichen Parasiten achteten, sie einsammelten, eventuell fotografierten und/oder die Tiere oder Fotografien davon an Gesundheitsämter oder Institute der Parasitologie weiterleiteten (siehe Kontakte [4]). Die Zeckenfunde in Deutschland waren nicht auf eine Region beschränkt.

Finanzierung: öffentliche Mittel