Tropische Riesenzecken in Deutschland: gesamter Lebenszyklus durchlaufen und Fleckfieber übertragen

  • BMC Parasites & Vectors

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In diesem und im vergangenen Jahr wurden in Deutschland häufiger als früher so genannte Riesenzecken der Gattung Hyalomma im Freiland gefunden. Nachgewiesen wurden zwei Zeckenspezies: Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes. Circa die Hälfte der untersuchten adulten Tiere ist mit Rickettsien infiziert. Vor kurzem war erstmals in Deutschland eine Zeckenfleckfieber-Erkrankung durch Hyalomma hervorgerufen worden.

Hintergrund
Das in Europa milder werdende Klima hat zur Folge, dass sich ursprünglich tropische Krankheitsüberträger wie die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), aber auch Zecken der Gattung Hyalomma in Deutschland halten können, selbst wenn sie sich bislang nicht stark ausbreiten. Die Mücken gelangen offenbar über die Hauptreiserouten des Menschen aus dem Süden nach Deutschland und können Chikungunya- oder Dengue-Fieber übertragen. Die aus Afrika, Asien und Südeuropa stammenden Zecken der Gattung Hyalomma gehören zu den in Deutschland neuen Vektoren und können beim Menschen Fleckfieber auslösen.

Design

  • Bestimmung von 35, in Deutschland nicht verbreiteten Riesenzecken am Fachgebiet Parasitologie der Universität in Hohenheim im Jahr 2018 auf Basis von Einsendungen (n = 18) oder fotografischen Aufnahmen (n = 17)
  • In Kooperation mit dem Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München Untersuchung der eingesendeten Zecken auf fünf Gruppen von Krankheitserregern:
    • Krim-Kongo-Fieber (Virus)
    • Rickettsia aeschlimannii
    • Coxiella burnetii, ebenso wie Rickettsien obligat intrazelluläre, gramnegative Bakterien
    • Coxiella-ähnliche Erreger und
    • Babesia und Theileria-Spezies, beides protozoische Parasiten.

Hauptergebnisse
Alle untersuchten Zecken waren adulte Tiere. Von den 18 eingesendeten Exemplaren gehörten 10 zur Spezies Hyalomma marginatum und 8 zur Spezies Hyalomma rufipes. Die meisten Zecken waren auf Pferden gefunden worden. Bei der Hälfte der eingesendeten Tiere fand sich Rickettsia aeschlimannii, Erreger des Zeckenfleckfiebers, aber keiner der anderen für Menschen pathogenen Erreger. Vor allem ein Fehlen des Virus, welches das hämorrhagische Krim-Kongo-Fieber auslöst und hoch pathogen ist, war für die Forscher beruhigend.

Klinische Bedeutung
Larven und Nymphen von Zecken der Gattung Hyalomma waren in einigen Ländern Mittel- und Nordeuropas wie den Niederlanden und Norwegen schon früher gefunden worden, vor allem auf Routen von Zugvögeln aus Afrika nach Nordeuropa. In Deutschland führt eine solche Route über das Rheintal nach Norddeutschland. Im Jahr 2007 wurde in Deutschland erstmals eine Zecke der Gattung Hyalomma nachgewiesen, aus der Rhein-Main-Region. Die frühere Prognose, Zeckenarten dieser Gattung könnten wegen des Klimas nicht oberhalb des 47. Breitengrads überleben - der Höhe von München oder Freiburg im Breisgau etwa - ist überholt, vermutlich wegen der heißeren Sommer und milderen Winter, so die Autoren. In diesem Jahr wurden 50 Exemplare in Deutschland gefunden, mehr also als im gesamten vergangenen Jahr. Die Zecken hätten erstmals in Deutschland überwintert.

Finanzierung: Deutsches Bundesgesundheitsministerium