Trend zu weniger Neuerkrankungen an Demenz in westlichen Industrieländern

  • 27.10.2019

  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

In manchen westlichen Ländern gibt es offenbar einen Trend zu einer sinkenden Demenz-Inzidenz. Ein möglicher Grund sind Fortschritte in der Behandlung von Patienten mit kardiovaskuläre Erkrankungen und Diabetes mellitus. Die positive Entwícklung spricht dafür, dass eine Demenz nicht immer ein unabwendbares Schicksal ist.

Design

Systematischer Review von sieben Studien (n = 42.485) und Metaanalyse von fünf Studien, deren Qualität dafür ausreichte. Drei Studien wurden in den USA durchgeführt, eine in Japan und drei in Westeuropa (Niederlande, Frankreich, Großbritannien). Ausgewertet wurden Studien, die Unterschiede in Demenzraten in vergleichbaren Stichproben mit einem zeitlichen Abstand von mindestens zehn Jahren untersuchten.

Hauptergebnisse

Bei der Datensynthese von sieben identifizierten Studien zeigte sich eine positive Entwicklung in den Neuerkrankungsraten – zumindest in westlichen Industrienationen, konkret Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und den USA: Die Analyse ergab eine Abnahme der Inzidenz, wobei das Ergebnis allerdings statistisch nicht signifikant war. Gegenläufig zu diesem positiven Trend war die Entwicklung in einer japanischen Studie: Hier wurde sogar ein Anstieg bei den Demenz-Inzidenz verzeichnet.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sprechen nach Angaben der Autoren dafür, dass eine Prävention von Demenz-Erkrankungen möglich sei und daher verstärkt werden sollte. Dies gilt wahrscheinlich hauptsächlich für Demenz-Erkrankungen, an deren Genese kardiovaskuläre Erkrankungen und Diabetes mellitus beteiligt sind. Eine Rolle bei der positiven Entwicklung spielen möglicherweise auch kulturelle und ethnische Faktoren sowie Umweltbedingungen.

Es wurden, wie die Autoren selbst betonen, allerdings nur wenige Studien ausgewertet, die zudem sehr heterogen waren. Es seien daher weitere Kohortenstudien mit einheitlichen Methoden notwendig, um definitive Schlüsse ziehen zu können. Außerdem steigt die absolute Zahl an Betroffenen vor allem durch die höhere Lebenserwartung weiter an. Zudem sind die bisherigen Bemühungen um neue wirksame Antidementiva, insbesondere gegen die Alzheimer-Erkrankung, nicht erfolgreich gewesen. Verstärkte Präventions-Maßnahmen gelten daher als zwingend erforderlich.

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Freistaat Sachsen, DFG, Universität Leipzig