Traumatische Belastungsstörung: erhöhtes Risiko von Rettungskräften nicht gesichert


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Zum Zusammenhang zwischen traumatisierenden beruflichen Tätigkeiten und posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) sowie Depression gibt es mehrere systematische Reviews. Die Qualität der meisten ist jedoch gering. Die Reviews mit zumindest mittelgradiger Qualität zeigten ein signifikant erhöhtes Risiko von Soldaten nach Entsendung in einen Krieg für die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und einer Depression. Außerdem zeigten sich Hinweise, aber keine ausreichenden Beweise für ein deutlich erhöhtes PTBS-Risiko von Feuerwehrleuten und Rettungssanitätern.

Hintergrund

Es gibt Hinweise dafür, dass ein traumatisches Ereignis während der beruflichen Tätigkeit mit einem erhöhten Risiko für eine PTBS als auch eine Depression einhergehen kann. Die Autoren der vorliegenden systematische Literaturanalyse wollten hierzu durch Auswertung systematischer Reviews und/oder Metaanalysen weitere Erkenntnisse dazu gewinnen, wie gut die Evidenz dafür ist.

Design

In einem Meta-Review wurden 35 systematische Reviews zum Thema mit AMSTAR, ein Instrument zur Qualitätsbewertung von systematischen Reviews, beurteilt. 

Hauptergebnisse

  • Die Qualität der meisten systematischen Reviews nach den AMSTAR-Kriterien war gering.
  • Vier systematische Reviews wiesen eine mittelgradige Qualität mit 5 – 7 von 11 möglichen AMSTAR-Punkten auf.
  • Diese vier Reviews sprechen für ein signifikant erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer PTBS und einer Depression bei Soldaten nach Entsendung in einen Krieg. 
  • Das PTBS-Risiko hängt von der Schwere des beruflichen Traumas bei Soldaten ab (Dosis-Wirkungs-Beziehung).
  • Außerdem zeigen die vorliegenden Daten eine erhöhte PTBS-Prävalenz von 7,3 – 19,7 % bei Feuerwehrleuten und Rettungssanitätern nach beruflichem Trauma, die deutlich über der Prävalenz von 2,3 – 3,5 % in der Bevölkerung in den USA und Deutschland liegt.

Klinische Bedeutung

Diese Ergebnisse haben unter anderem eine große Aktualität wegen der regelmäßigen Entsendung von Soldaten in kriegerische Auseinandersetzungen im Ausland. Sie zeigen ein signifikant erhöhtes Risiko für PTBS und Depression bei Soldaten nach einem bzw. mehreren Kampfeinsätzen. Bislang sind die PTBS oder die Depression in Deutschland  jedoch keine Erkrankungen im Sinne der Anlage zur Berufskrankheiten-Verordnung. In Europa kann bisher nur in Dänemark die PTBS nach einem beruflichen Trauma als Berufskrankheit anerkannt werden. In Deutschland können Erkrankungen an PTBS oder Depression bei Soldaten nach Entsendung in einen Krieg allerdings unter bestimmten Voraussetzungen nach dem Soldatenversorgungsgesetz entschädigt werden. 

Die bisherigen systematischen Reviews konnten nach Ansicht der Autoren h nicht klar belegen, dass andere Berufe mit einer chronischen Traumaexposition, beispielsweise Rettungssanitäter oder Feuerwehrleute, ein erhöhtes Risiko für die PTBS oder Depression im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung haben. Dies hat möglicherweise rein methodischen Gründe: Mit Ausnahme eines einzigen systematischen Reviews existierten den Autoren zufolge keine Analysen zum PTBS-Risiko von Feuerwehrleuten und Rettungssanitätern mit eigener Kontrollgruppe. Auch sei es in diesen Berufsgruppen bislang nicht gelungen, eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Dauer und Schwere der beruflichen Traumata und dem Risiko für eine PTBS oder Depression nachzuweisen. 

Insgesamt sind die Autoren der Auffassung, dass weitere systematische Reviews zum o.g. Thema mit Einhaltung der AMSTAR-Qualitätskriterien erforderlich sind. Darüber hinaus seien analytische epidemiologische Studien in Berufsgruppen mit chronischer Traumaexposition, beispielsweise bei Rettungssanitätern oder Feuerwehrleuten, erforderlich, um eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der beruflichen Einwirkung und der Häufigkeit einer PTBS oder Depression nachzuweisen. 

Finanzierung: Prof. Dr. med. Andreas Seidler, einer der Auoren, wurde für die Durchführung dieses Meta-Reviews aus Mitteln des Landes Hessen gefördert.