Transplantation: Herzen und Lungen von HCV-Infizierten auch für nicht infizierte Empfänger eine Option


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Auch bei nicht infizierten Organempfängern können Herzen und Lungen Hepatitis-infizierter Spender gut funktionieren. Dies gilt zumindest für einen Zeitraum von 6 Monaten. Das Hepatitis-Virus wird durch eine Kurzzeittherapie des Organempfängers mit modernen, direkt wirkenden antiviralen Substanzen eliminiert.

Hintergrund

Einen Mangel an Spenderorganen gibt es in den meisten westlichen Ländern. Deshalb wird nach Möglichkeiten gesucht, die Zahl transplantabler Organe zu erhöhen. In vielen Ländern und auch in Deutschland ist es jetzt schon für HCV- oder HIV-infizierte Wartepatienten möglich, dem Organ eines HCV- oder HIV-infizierten Spenders zuzustimmen, wenn das Organ insgesamt geeignet ist (HCV/HIV-Match). Nun wird zunehmend untersucht, ob sich bestimmte Organe Infizierter auch für nicht infizierte Empfänger eignen könnten. Transplantationsmediziner aus den USA haben dies für Herzen und Lungen von HCV+ Spendern untersucht (HCV-Mismatch).

Design

  • Pilotstudie am Brigham- and Women‘s Hospital in Boston mit Patienten, die auf Herz oder Lunge warteten
  • Organspender: HCV-positiv (HCV+) mit Virämie zum Zeitpunkt der Organentnahme; medianes Alter: 27 Jahre bei Herzspendern, 32 Jahren bei Lungenspendern
  • Organempfänger: n = 44; 36 Herzen und 8 Lungen; HCV-negativ; medianes Alter: 51 Jahre bei Herzempfängern, 61 Jahre bei Lungenempfängern
  • Antivirale Behandlung der Empfänger: Therapie mit Sofosbuvir/Velpatasvir für 4 Wochen, beginnend wenige Stunden nach Transplantation; die Kombination der beiden Substanzen deckt alle Genotypen ab

Hauptergebnisse

Bei Organentnahme hatten die Spender eine mediane Viruslast von 890.000 IU/mL. Es dominierte Genotyp 1 ( 61 %), gefolgt von Genotyp 2 und 3 mit jeweils 17 %. Unmittelbar nach Transplantation hatten 42 der 44 Empfänger eine nachweisbare Virämie (mediane Viruslast: 1800 IU/mL). Für 35 Patienten betrug das Follow-up mindestens 6 Monate und für 16 Patienten mindestens 1 Jahr.

Ein primärer Endpunkt war eine anhaltende virologische Response 12 Wochen nach Beendigung der antiviralen Therapie. Bei allen 35 Organempfängern, die für mindestens 6 Monate nachbeobachtet werden konnten, war die Viruslast nach circa 2 Wochen unterhalb der Nachweisgrenze und blieb dies für den weiteren Beobachtungszeitraum.

Die Organfunktion nach 6 Monaten, ein zweiter primärer Endpunkt, war bei allen Empfängern gut, bis auf einen Herzpatienten, der starb. Das Risiko für zellvermittelte Abstoßungen war leicht erhöht im Vergleich zu nicht HCV+ Spenderorganen.

Klinische Bedeutung

Auf die Möglichkeit, Organe von HCV+ Spendern auch für nicht infizierte Empfänger zu verwenden, deuten bereits Pilotstudien mit Nierentransplantaten hin. Nun wird diese Option zunehmend auch für Herzen und Lungen untersucht. Die Mortalität auf der Warteliste ist bei diesen Organen deutlich höher als bei chronisch Nierenkranken, die dialysiert werden können. Noch sind die Fallzahlen gering, auch in der aktuellen Studie. Die Autoren bewerten das Ergebnis aber insgesamt als positiv, vor allem, dass eine antivirale Therapie für 4 Wochen ausreicht, um eine anhaltende Response über 12 weitere Wochen zu erzielen. Hepatitisviren infizieren normalerweise kein Herz- oder Lungengewebe.

In Deutschland, das mit 7 weiteren europäischen Ländern einen gemeinsamen Spenderpool für Organe hat (Eurotransplantat), wird wegen des Organmangels ebenfalls intensiv über die Bedingungen diskutiert, unter denen Organe von Hepatitis- und HIV-infizierten verwendet werden können.

Finanzierung: Stiftungsgelder