Transkranieller Gleichstrom lindert Negativsymptomatik bei Schizophrenie-Patienten

  • JAMA Psychiatry

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Die transkranielle Hirnstimulation mit schwachem Gleichstrom hat in einer randomisierten Studie mit 100 Patienten einen deutlichen und 12 Wochen langanhaltenden Effekt gegen die Negativsymptomatik bei Schizophrenie-Patienten bewirkt.

Hintergrund

Die transkranielle Stimulation des Gehirns mit schwachen Gleichströmen (tDCS) ist ein noch experimentelles Verfahren, um die Aktivität des Gehirns zu beeinflussen. Es wurde bisher in kleinen Studien unter anderem bei Aphasien nach einem Schlaganfall, bei Depressionen und zur Förderung der Kognition eingesetzt. Obwohl die Erfolge bisher uneinheitlich waren, hat dies zu der Überlegung geführt, ob die tDCS womöglich die durch Medikamente schwer zu beeinflussende Negativsymptomatik bei Patienten mit einer Schizophrenie lindern könnte.

Design

Doppelblinde Studie mit 100 Patienten (80% männlich) an 2 ambulanten Einrichtungen in Sáo Paulo (Brasilien). Eingangsvoraussetzung waren mindestens 20 Punkte auf der Unterskala für die Negativsymptome bei der Positive and Negative Syndrome Scale (PANSS), sowie stabil ausgeprägte positive und negative Symptome. Die Patienten absolvierten an 5 Tagen jeweils 2 Sitzungen von 20 Minuten Dauer und wurden randomisiert auf aktive (2 Milliampere) oder Scheinstimulation. Die Anode wurde über dem linken dorsolateralen präfrontalen Kortex platziert, die Kathode über dem linken temporoparietalen Übergang. In der 6. Woche wurden Veränderungen des PANSS erfasst, und die Patienten nach weiteren 6 Wochen erneut getestet.

Ergebnisse

  • Im Durchschnitt verbesserten sich Patienten unter der Intervention gegenüber der Kontrolle um 2,65 Punkte (95%-Konfidenzintervall 1,51 – 3,79).
  • Die Zahl der Patienten, die für einen Erfolg behandelt werden mussten (number needed to treat, NNT) betrug durchschnittlich 3,18 (95%-KI 2,12 – 6,99; P
  • Die Ansprechraten für eine mindestens 20-prozentige Verbesserung bei der Negativsymptomatik betrugen unter der aktiven Behandlung 40%, mit der Scheinstimulation 4% (P
  • Die Effekte blieben auch in der Nachverfolgung erhalten.
  • Die tDCS wurde gut vertragen und es gab keine Unterschiede bei den Nebenwirkungen mit der Ausnahme, dass in Interventionsgruppe deutlich häufiger ein Brenn über der Kopfhaut registriert wurde (43,8% vs 14,3%; P = 0,003).

Klinische Bedeutung

Die Daten stammen zwar nur aus 2 Zentren, scheinen aber zu belegen, dass die tDCS eine effektive, sichere, und laut Autoren auch erschwingliche Behandlung für die Negativsymptome von Schizophrenie-Patienten sein könnte. Weitere Studien sind wünschenswert, zumal eine im Vorjahr veröffentlichte Meta-Analyse der bislang nur wenigen Studien einen stärkeren Effekt für die transkranielle Magnetstimulation als für die tDCS ergeben hat.

Finanzierung: Stanley Medical Research Institute und Bundesministerium für Bildung und Forschung.