Transgender: Regulation des Knochenstoffwechsels durch Hormontherapien bedarf besonderer medizinischer Aufmerksamkeit

  • THE LANCET Diabetes & Endocrinology

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Einsicht, dass Transgender-Personen besondere medizinische Aufmerksamkeit benötigen nimmt zu, und mehrere Richtlinien zur medizinischen Betreuung sind bereits verfügbar. Momentan wird diskutiert, ob langfristige geschlechtsübergreifende Hormontherapien das Risiko einer Reihe chronischer Krankheiten, einschließlich kardiovaskulärer Erkrankungen und Osteoporose, beeinflussen. Forschende der Mayo Clinic haben nun in der Fachzeitschrift The Lancet Diabetes & Endocrinology darauf hingewiesen, dass die Regulation des Knochenstoffwechsels durch Hormontherapien besonderer Aufmerksamkeit bei Transgender-Personen bedarf.

Hintergrund

Bei Vorliegen von Geschlechtsdysphorie bzw. Transsexualismus besteht nach dem diagnostischen Prozess die Möglichkeit einer Hormonbehandlung. Bei der Hormontherapie bei trans-Frauen (Mann zu Frau) werden dem männlichen Körper Östrogene zugeführt. Dadurch wird die Testosteronproduktion der Hoden stark vermindert und es kommt zu einer Verweiblichung. Das Ziel der hormonellen Behandlung von trans-Männern (Frau zu Mann) ist es, durch die Verabreichung von Androgenen (v.a. Testosteron) eine möglichst ausgeprägte Vermännlichung zu erreichen.

Durch die Einnahme von hormonellen Medikamenten können wie bei allen Medikamenten, die über eine längere Zeit eingenommen werden müssen, Nebenwirkungen auftreten.

In Bezug auf die Regulation des Knochenstoffwechsels ist bekannt, dass Östrogen das dominante Sexualhormon für die Regulation der Knochenresorption ist. Dahingegen ist Testosteron ein Prohormon, das zur Bereitstellung des Östradiols dient, welches die Festigkeit und das Wachstum des Skeletts reguliert.

Bei Transgender Personen konnte bereits festgestellt werden, dass Hormontherapien die Knochenmineraldichte und das Frakturrisiko beeinflussen.

Einfluss einer Transgender-Hormontherapie auf die Knochengesundheit

Vor Beginn der Hormonbehandlung weisen trans-Frauen, in Vergleichen mit cis-Männern (Geschlechtsidentität entspricht dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde), folgende Merkmale auf:

  • eine geringere Knochenmasse,
  • eher einen Vitamin D Mangel,
  • geringere sportliche Betätigung.

So konnte in einer großen klinischen Studie gezeigt werden, dass bei den 2023 teilnehmenden trans-Frauen und 1036 trans-Männern das Frakturrisiko bei den unter 50-jährigen, im Vergleich zu altersentsprechenden cis-Frauen und cis-Männern, nicht erhöht war. Allerdings offenbarten die Daten auch, dass bei den über 50-jährigen trans-Frauen ein deutlich erhöhtes Frakturrisiko gegenüber altersangepassten cis-Männern bestand.

Ein Arbeitsmodell visualisiert die speziellen Anforderungen

Forschende der Mayo Clinic haben nun, basierend auf klinischen Daten zur hormonellen Regulation der Knochengesundheit bei cis- Frauen und cis-Männern, ein Arbeitsmodell entwickelt, welches als Extrapolationsgrundlage zur Begutachtung der Knochengesundheit bei Transgender-Personen dienen kann.

Basierend auf diesem Modell, sollte bei Transfrauen die exogene Östradiol-Konzentrationen ausreichend hoch sein, um sowohl spongiöse als auch feste Knochen zu schützen.

Bei Transmännern sollte ausreichend exogenes Testosteron vorhanden sein, um einen kortikalen Knochenschwund zu verhindern.

Weiterhin weisen die Forschenden darauf hin, dass die Auswirkungen von Hormontherapien in der Pubertät große Auswirkungen auf die spätere Knochengesundheit haben kann. So sollte immer darauf geachtet werden, dass die Wachstumsplatten bereits verschmolzen sind, bevor man mit einer Hormontherapie beginnt.

Spezielle medizinische Anforderungen sollten in den Klinikalltag integriert werden  

Die Forschenden weisen darauf hin, dass es weitestgehend an klinischen Daten zur Auswirkung von Hormontherapien bei Transgender-Personen mangelt. Daher ist eine Beurteilung der langfristigen Knochengesundheit kaum möglich. Die Forschenden plädieren dafür, zentrale Register anzulegen, die neben der Knochengesundheit auch andere chronische Krankheiten erfassen, um Gesundheitsrisiken abschätzen zu können und so spezielle Therapiemaßnahmen für die langfristige Knochengesundheit von Transgender-Personen zu etablieren.

Finanzierung: Endocrine University.