Toxikologische Studie findet Inhaltsstoffe von Sonnencremes im Blut der Probanden wieder

  • JAMA

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Menschen, die tagsüber 4 Mal Sonnenschutzpräparate auftragen, müssen damit rechnen, dass bestimmte Inhaltsstoffe in das Blut übergehen und dort Konzentrationen erreichen, für die die US-Zulassungsbehörde eigentlich toxikologische Prüfungen vorsieht.

Hintergrund

Schützende Cremes und andere Präparate werden von Fachgesellschaften als ergänzende Maßnahme empfohlen, um Hautschäden und Krebs durch intensive Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Als Kosmetikprodukte müssen sie in Europa registriert, vom Wissenschaftlichen Komitee für Verbrauchersicherheit bewertet und von der Kommission zugelassen werden. Klinische Studien sind aber nicht vorgesehen und Tierversuche verboten. In den USA  „sollen“ laut Zulassungsbehörde alle Bestandteile mit einer systemischen Absorption von mehr als 0,5 ng/mL oder mit Sicherheitsbedenken eine (nichtklinische) toxikologische Bewertung einschließlich der systemischen Kanzerogenität und dem Einfluss auf die (fötale) Entwicklung und Reproduktion durchlaufen.

Design

Ziel dieser Studie der Phase 1 mit 24 gesunden Freiwilligen (darunter 12 Frauen und 14 Afroamerikaner) war es festzustellen, ob die in Sonnenschutzpräparaten enthaltenen aktiven Bestandteile Avobenzon, Oxybenzon, Octocrylen und Ecamsul in die systemische Zirkulation aufgenommen werden. Jeweils 6 Teilnehmer erhielten eines von 2 verschiedenen Sprays, eine Lotion oder eine Creme in einer Konzentration von 2 mg/Quadratzentimer Haut, 4 Mal täglich auf 75 % der Hautoberfläche für 4 Tage in Folge. Im Verlauf von 7 Tagen wurden jedem der Probanden 30 Blutproben entnommen.

Ergebnisse

  • Beim primären Studienziel, der maximalen Plasmakonzentration von Avobenzon wurden mit den beiden Sprays Werte von durchschnittlich 4,0 mg/mL bzw. 3,4 ng/mL erreicht; 4,3 ng/mL für die Lotion und 1,8 ng/mL für die Creme.
  • Die entsprechenden Werte für Oxybenzon betrugen: 209,6 ng/mL bzw. 194,9 ng/mL für Spray 1 und 2; sowie 169,3 ng/mL für die Lotion.
  • Octocrylene erreichte mit den Sprays maximale Durchschnittskonzentrationen von 2,9 ng/mL und 7,8 ng/mL; sowie 5,7 ng/mL mit der Lotion.
  • Mit Ecamsul als Creme wurden 1,5 ng/mL erreicht.
  • Somit wurde mit allen getesteten Bestandteilen nach 4 Applikationen am 1. Tag die Konzentration von 0,5 ng/mL überschritten

Klinische Bedeutung

In dieser kleinen Studie mit gesunden, mehrheitlich afro-amerikanischen Freiwilligen wurden bei „Maximalgebrauch“ Grenzen für die Blutkonzentration überschritten, unterhalb derer einige nichtklinische toxikologische Studien durch die Zulassungsbehörde erlassen werden können. Um die klinische Signifikanz dieser Befunde zu beurteilen, sind weitere Studien gefragt. Die Autoren betonen aber auch, dass ihre Ergebnisse nicht dazu führen sollten, auf Sonnenschutzpräparate zu verzichten.

Finanzierung: US Food and Drug Administration.