Tourette-Syndrom: deutlich erhöhtes Risiko für kardiometabolische Störungen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit Tourette-Syndrom und chronischen Tic-Störungen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für kardiometabolische Störungen wie Adipositas und Diabetes mellitus. Das erhöhte Risiko ist bereits bei Kindern nachweisbar.

Hintergrund

Tourette-Syndrom und chronische Tic-Störungen, deren kombinierte Prävalenz etwa ein Prozent beträgt, sind mit mehreren anderen gesundheitlichen Problemen verbunden. Auch die Lebenserwartung ist nach Aussage der Autoren der vorliegenden Studie eingeschränkt. Allerdings gebe es zu wenig Forschung dazu, begründen die Autoren ihre aktuelle Langzeit-Studie.

Design

Schwedische Langzeit-Kohortenstudie mit 7804 Patienten (Gesamt-Population über 14 Millionen), die im Beobachtungszeitraum von 1973 bis 2013 ein Tourette-Syndrom oder eine chronische Tic-Störung entwickelt hatten. Für die Risikoberechnung wurde eine Kontroll-Gruppe mit Menschen aus der Allgemeinbevölkerung ohne diese Störungen gebildet.

Hauptergebnisse

  • Die Berechnungen ergaben bei Patienten mit Tourette-Syndrom oder einer chronischen Tic-Störung ein um fast 100 Prozent erhöhtes Risiko für metabolische oder kardiovaskuläre Störungen (HR 1,99, 95% CI 1,90 - 2,09).
  • In einer Subgruppe der Patienten, die mit Zwillingsgeschwistern verglichen werden konnten, war das Risiko geringer, aber immer noch größer als in der Allgemeinbevölkerung. 
  • Männer mit Tourette-Syndrom oder Tic-Störungen sind mehr gefährdet als Frauen (HR 2,13 versus 1,79).
  • Ein erhöhtes Risiko wurde bereits bei Patienten in einem Alter von acht Jahren beobachtet.
  • Das Risiko für mindestens eine kardiometabolische Störungen bis zum Ende der Beobachtungszeit (Durchschnittsalter 41) betrug bei den Tourette-Patienten 52,5%, in der Allgemeinbevölkerung bei knapp 30 Prozent.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse zeigen nach Angaben der Autoren, wie wichtig es ist, bei Patienten mit Tourette-Syndrome oder chronischer Tic-Störung auf metabolische und kardiovaskuläre Störungen zu achten, und zwar bereits in einem frühen Alter der Patienten. Neurologen, Psychiater und auch Ärzte anderer Fachrichtungen sollten diese Patienten regelmäßig auf metabolische und kardiovaskuläre Erkrankungen screenen, betont auch die nicht an der Studie beteiligte Tourette-Spezialistin Dr. Carol A. Mathews (Universität von Florida in Gainesville)  laut einem Medienbericht. Darüber hinaus sollte den Patienten dabei geholfen werden, ihr Körpergewicht im Normbereich zu halten. Zu achten sei außerdem auf Medikamente, die metabolische und kardiovaskuläre Störungen fördern könnten. 

Finanzierung: Tourettes Action und FORTE (Swedish Research Council for Health, Working Life and Welfare )