Tödliche Arrhythmien nach Infarkt: Defi-Weste ohne sicheren Nutzenbeleg


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Eine tragbare Defibrillator-Weste hat bei Patienten mit Herzinfarkt und niedriger linksventrikulärer Auswurfleistung die Rate arrhythmiebedingter Todesfälle innerhalb von 90 Tagen nach dem Infarkt nicht gesenkt. 

Hintergrund

Plötzliche Herztode sind bei Patienten, die einen Myokardinfarkt erlitten und eine niedrige Auswurfleistung haben, häufig. In zwei randomisierten Studien wurde jedoch keine langfristige Mortalitätsreduktion durch unmittelbar nach dem Infarkt implantierten Defibrillatoren festgestellt. Den Leitlinien zufolge sollte ein Defibrillator erst 40 Tage nach Infarkt und 90 Tage nach Revaskularisierung implantiert werden. Eine tragbare Defibrillator-Weste könnte eine Option für die Hochrisiko-Phase sein. Ob damit allerdings wirklich einem plötzlichen Herztod vorgebeugt wird, ist bisher ungeklärt gewesen. In der randomisierten Studie VEST (Vest Prevention of Early Sudden Death Trial) ist dies geprüft worden. 

Design

An der randomisierten Studie nahmen 2302 Herzinfarkt-Patienten mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion von maximal 35 Prozent teil. 1524 Patienten erhielten - zusätzlich zu leiliniengemäßen Medikation - eine Defibrillator-Weste, 778 Patienten bildeten die Kontroll-Gruppe. Primärer Endpunkt war die Kombination von plötzlichem Herztod oder Tod infolge einer ventrikulären Tachyarrhythmie innerhalb von 90 Tagen. 

Hauptergebnisse

Beim primären Endpunkt gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Patienten-Gruppen: Die Rate arrhythmiebedingter Todesfälle betrug in der Gruppe mit der Weste1,6 Prozent, in der Kontroll-Gruppe 2,4 Prozent (relatives Risiko 0,67; 95% CI 0,37 - 1,21). Dieses Resultat war mit p = 0,18 allerdings statistisch nicht signifikant.

Einen Pluspunkt gewann die Weste beim Parameter Gesamt-Mortalitätsrate: Sie betrug in der Prüfgruppe 3,1 Prozent, in der Kontroll-Gruppe hingegen 4,9 Prozent (relatives Risiko 0,64; CI 0,43 - 0,98; p = 0,04 ).

Klinische Bedeutung

Möglicherweise war die Studie „underpowered“, so dass deswegen ein vielleicht vorhandener Nutzen der Defibrillator-Weste nicht erkannt wurde.  Den Autoren zufolge könnte das Negativ-Resultat beim primären Endpunkt auch durch Fehl-Klassifikatinen des plötzlichen Herztodes zustande gekommen sein. Aufgrund des negativen Resultats der Studie bleibt es unklar, was zusätzlich zur optimalen Medikation noch getan werden könnte, um die hohe Mortalitätsrate in der Phase nach Infarkt bis zur Implantation eines Defibrillators zu senken.

Finanzierung: National Institutes of Health und Zoll Medical (Hersteller der Weste)