TK und Ada Health kooperieren – Ärzte üben Kritik

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Berlin (pag) – Den Patienten bei Krankheitssymptomen erste Diagnose-Tipps an die Hand geben und gezielt über Gesundheitsangebote der Versicherung informieren – das plant die Techniker Krankenkasse (TK) ab Anfang 2019. Dazu kooperiert die Kasse mit dem Start-up Ada Health und soll die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Ada-App in die TK-Doc-App integriert werden. Das kündigt Kassenchef Dr. Jens Baas vor Journalisten in Berlin an. Kritik kommt von den Ärzten.

 

Ab sofort können TK-Versicherte die Anwendung über die TK-App abrufen. Die Nutzer geben ihre Beschwerden ein und erhalten eine persönliche Analyse. Ab nächstem Jahr erfolgt dann auf Wunsch eine Übersicht über die passenden digitalen Gesundheitsangebote der TK. „Viele Versicherte wissen gar nicht, was wir für Angebote haben“, sagt Baas. Nach der Bewertung können die Versicherten anschließend mit einem Arzt per Telefon, E-Mail, Text- oder Videochat sprechen.

Die Vorteile lägen auf der Hand: Patienten erhielten Informationen auf Grundlage einer gesicherten Datenbasis und nicht über gekaufte Google-Treffer. Sie würden in die Lage versetzt, besser mit dem Arzt zu kommunizieren und mehr digitale Kompetenz zu erlangen.

„Ada kann keine Diagnose stellen, der Arzt tut das. Wir sind nur ärztliche Unterstützer“, sagt Dr. Martin Hirsch, Mitbegründer von Ada Health. „Die Vielzahl der Symptome und Krankheiten sind schlicht vom menschlichen Gehirn, dem Arzt, nicht zu bewältigen. Da hilft Technik“. Mehr Falschdiagnosen besonders seltener Krankheiten könnten mit diesen Hilfsmitteln vermieden und unerkannte schneller diagnostiziert werden, meint Prof. Jürgen Schäfer, Leiter des Zentrums für unerkannte und seltene Erkrankungen in Marburg. „Wir brauchen KI, wir müssen sie aber auch kontrollieren“.

Ada Health kooperiert bereits mit der AOK Nordost. Versicherte und Ärzte der Region werden im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie zur Akzeptanz und Nutzen der App befragt. Erste Ergebnisse sollen Anfang 2019 vorliegen.

Kritik an der Kooperation zwischen der TK und Ada Health kommt von den Ärzten. „Diese Form von Einmischung einer Krankenkasse in das individuelle Arzt-Patienten-Verhältnis ist für uns eine klare Grenzüberschreitung“, findet Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes. Bei solchen Angeboten sei wichtig, dass am Ende „immer ein Vertragsarzt steht“, fordert Dr. Dirk Heinrich, Vorsitzender des NAV-Virchow-Bunds. „Das erwarte ich auch vom neuen Angebot der TK. Ansonsten ist das faktisch die Kündigung der Kollektivverträge und die Übernahme des Sicherstellungsauftrages durch die Krankenkassen.“