Thrombolyse für Schlaganfall-Patienten nun offiziell essenziell

  • WHO / The Lancet

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die WHO hat die Thrombolyse zur Schlaganfall-Therapie in den Katalog essentieller Arzneimittel („Model List of Essential Medicines“ / EML) aufgenommen.

Wirksamkeit und Sicherheit gut belegt

Das Thrombolytikum Alteplase ist in Deutschland, in europäischen Ländern und in Nordamerika seit vielen Jahren zur Thrombolyse von ischämischen Schlaganfällen bei erwachsenen Patienten zugelassen, die Wirksamkeit und Sicherheit gilt als gut belegt. Im Mai 2018 hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Zulassung dahingehend erweitert, dass Alteplase auch bei Jugendlichen ≥ 16 Jahren zur Behandlung eines ischämischen Schlaganfalls angewendet werden darf.

Alteplase ist aber trotz der belegten Vorteile bisher nur in etwa zwei Dritteln aller Länder weltweit verfügbar, weshalb eine international besetzte Task Force der World Stroke Organisation (WSO) bei der Weltgesundheitsorganisation WHO einen umfassenden Antrag gestellt hatte, Alteplase in den Katalog essentieller Arzneimittel („Model List of Essential Medicines“ / EML) aufzunehmen. Die Beantragung war erfolgreich – die WHO teilte mit, dass die Lysetherapie nun in den 21. EML-Katalog von 2019 Eingang gefunden hat. „Damit kann diese effektive Schlaganfalltherapie auch in Schwellen- und Entwicklungsländern in spezialisierten Zentren angeboten werden, was die Versorgung und das weltweite Outcome nach Schlaganfällen maßgeblich verbessern wird“, kommentiert Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.

Auch die Möglichkeiten der medikamentösen Prävention von Schlaganfällen wurden verbessert, da auch Antihypertensiva-Fixdosis-Kombinationspräparate in den Katalog aufgenommen wurden.

„Späte“ Lyse auch noch eine Option

Von einer Lyse profitieren aktuellen Daten zufolge auch noch Schlaganfall-Patienten, die nicht innerhalb des Zeitfensters von 4,5 Stunden behandelt werden. Eine im „Lancet“ publizierte Metaanalyse hat gezeigt, dass diese Patienten mittels bildgebender Untersuchungen (Perfusions-Diffusions-MRT oder Perfusions-CT) identifiziert werden können. „Diese Untersuchungen zeigen, ob noch minderdurchblutete Gehirnareale vorhanden sind, die das Risiko der späten Lyse rechtfertigen“, so Professor Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Selbstverständlich sollten Schlaganfall-Patienten aber auch weiterhin so schnell wie möglich in eine geeignete Klinik eingeliefert werden.