Theta-Burst-Stimulation bei therapieresistenter Depression eine zeitsparende Option?

  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine spezielle Form der transkraniellen Hirnstimulation - die Theta Burst Stimulation (TBS) - war in einer unizentrischen Studie mit 87 Patienten mit behandlungsresistenten Depressionen nach 4 Wochen und 20 Therapiesitzungen nicht schlechter (und tendenziell sogar besser) als die zeitaufwändigere Standard-TMS-Stimulation. Die Ansprechraten waren: 32,9 % (Standard) und 44,3 % (TBS).

Hintergrund

Eine wachsende Zahl von Studien berichtet über Erfolge der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) bei behandlungsresistenten Depressionen. Diese Therapien unterscheiden sich aber in Parametern wie Frequenz, Stärke, Dauer und auch der Zielregion, sowie in der Zahl und Taktung der Anwendung. Um einem breiteren Kreis von Patienten zugute zu kommen, werden auch möglichst kurze Interventionen ohne Verlust der Wirksamkeit angestrebt. Die Autoren verglichen dazu die Bilaterale repetitive (rTMS) des dorsolateralen präfrontalen Kortex mit einer neueren Form der rTMS: Der Theta-Burst-Stimulation, die linksseitig intermittierend und rechtsseitig kontinuierlich für jeweils nur 4 Minuten appliziert wurde.

Design

Randomisierte, halb-blinde (nur die Prüfärzte) Nicht-Unterlegenheitsstudie zur Wirksamkeit und Verträglichkeit einer TBS gegenüber einer Standard rTMS bei älteren Erwachsenen mit behandlungsresistenten Depressionen. Behandelt wurden am Centre for Addiction and Mental Health in Toronto 87 Personen im durchschnittlichen Alter von etwa 67 Jahren (ca. 53 % Frauen). Die Patienten erhielten in den ersten 4 Wochen jeweils 20 Sitzungen, und wenn sie bis dahin keine Remission erzielt hatten, wurden weitere 20 Sitzungen für die nächsten 2 Wochen angeboten. Primäres Studienziel war die Veränderung auf der Montgomery-Asberg Depression Rating Scale (MADRS), sekundär wurden unter anderem erhoben die 17-item Hamilton Rating Scale for Depression, das 16-teilige Quick Inventory of Depressive Symptomatology im Selbstbericht, und die Abbruchraten.

Ergebnisse

  • Auf der Montgomery-Asberg Depression Rating Scale verbesserten sich die Patienten unter:
    • rTMS von 25,6 auf 17,3 Punkte, und unter
    • TBS von 25,7 auf 15,8 Punkte.
  • Die adjustierte Differenz von 1,55 Punkten zugunsten der TBS etablierte deren Nicht-Unterlegenheit gegenüber der rTMS. Die Ansprechraten betrugen 32,9 % unter rTMS versus 44,3 % unter TBS.
  • Am größten war die Differenz 4 Wochen nach Abschluss der Behandlung mit durchschnittlichen MADRS-Werten von 17,4 für die rTMS gegenüber 13,2 unter TBS. Während die mit rTMS behandelten Patienten weitere 8 Wochen später bei 16,9 Punkten stagnierten, hatten die TBS-Patienten sich verschlechtert und durchschnittlich 16,0 Punkte erzielt.
  • Die Abbruchraten waren mit 2,3 gegenüber 7,1 % unter der TBS größer, die Differenz aber statistisch nicht signifikant (P = 0,14).

Klinische Bedeutung

Die an einer relativ kleinen Gruppe an einem einzigen Zentrum gewonnenen Daten deuten darauf hin, dass die hier praktizierte Form der TBS eine gleichermaßen wirksame wie verträgliche Variante der TMS ist. Da die Anwendung wesentlich kürzer ist, hat sie nach Ansicht der Autoren das Potenzial, den Zugang für ältere Patienten zu vervielfachen

Finanzierung: Canadian Institutes of Health Research.