These: Die Förderung des wirtschaftlichen Aufstiegs könnte die Schizophrenie-Inzidenz senken

  • JAMA Psychiatry

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Zu den sozioökonomischen Faktoren, die das Risiko für eine Schizophrenie erhöhen, gehören offenbar niedriges Einkommen und mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten der Eltern.

Hintergrund

Der Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, wird intensiv diskutiert. Zur Bedeutung der gesellschaftlichen Stellung der Eltern gibt es widersprüchliche Erkenntnisse, und deren sozioökonomische Mobilität wurde noch gar nicht untersucht.

Design

Nationale Kohortenstudie mit allen, zwischen 1980 bis einschließlich 2000 in Dänemark geborenen Personen. Die Nachverfolgung dauerte bis zur Diagnose einer Schizophrenie vom 15. Geburtstag an, Auswanderung, oder Tod bis Ende 2016. Dem gegenübergestellt wurde das Einkommen der Eltern im Geburtsjahr der Kinder, sowie im Alter von 5, 10 und 15 Jahren.

Ergebnisse

  • Unter den mehr als eine Million Personen in der Kohorte wurden während einer Nachverfolgungszeit von 11,6 Millionen Personen-Jahren 7544 mit einer Schizophrenie diagnostiziert (54,7 % männlich).
  • Es gab eine inverse Beziehung zwischen dem elterlichen Einkommen und dem Schizophrenie-Risiko. Besonders ausgeprägt war dies bei Familien mit niedrigem Einkommen. Adjustierungen für städtischen Wohnort, psychische Erkrankungen und Ausbildungsniveau der Eltern sowie Änderungen im Trennungsstatus zwischen Eltern und Kindern ergaben eine schwächere Beziehung zwischen dem elterlichen Einkommen und dem Schizophrenie-Risiko, der Gradient blieb aber bestehen.
  • Zwischen der Lebenszeit mit niedrigem Einkommen und dem Schizophrenie-Risiko fand sich eine Dosis-abhängige Beziehung.
  • Unabhängig vom Einkommen der Eltern bei der Geburt war das Schizophrenie-Risiko in „Aufsteigerfamilien“ geringer als in solchen Familien, deren wirtschaftliche Verhältnisse sich verschlechterten.
  • Als Beispiel für die Größenordnung der Assoziation nennen die Forscher für 15-jährige Kinder aus Familien im niedrigsten Quintil der Einkommensverteilung ein 4,12-fach höheres Schizophrenierisiko (95%-Konfidenzintervall 3,71 – 4,58) im Vergleich zu Kindern aus dem reichsten Quintil. Gelang den Eltern der Aufstieg in das zweitniedrigste Quintil, so ergab sich ein deutlich niedrigeres Schizophrenierisiko (HR 2,80; 95%-KI 2,46 – 3,17). Umgekehrt war ein finanzieller Abstieg der Eltern mit einem erhöhten Schizophrenierisiko verbunden.

Klinische Bedeutung

In der vermutlich größten Untersuchung ihrer Art wurde für Dänemark ein Zusammenhang zwischen dem Familieneinkommen und dem Risiko der Kinder gezeigt, an Schizophrenie zu erkranken. Der Verdacht, dass der wirtschaftliche Status das Krankheitsrisiko beeinflusst, erhält damit neue Nahrung. Die Autoren müssen allerdings eingestehen, dass sie eine Ursache-Wirkungsbeziehung nicht zweifelsfrei nachweisen können, und dass auch Selektionsmechanismen eine Rolle spielen könnten. Dennoch kommen sie zu dem Schluss, dass die Schizophrenie-Inzidenz auf Populationsebene mit der Förderung der wirtschaftlichen Aufstiegsmöglichkeiten sinken könnte.

Finanzierung: Akademie von Finnland, Stanley Medical Research Institute, Lundbeck Foundation, Europäischer Forschungsrat.