Therapierefraktäre rheumatoide Arthritis: Selektiver JAK-1-Inhibitor hoch effektiv und sicher


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis (RA), die nicht adäquat auf eine Behandlung mit herkömmlichen chemisch synthetischen krankheitsmodifizierenden Substanzen (csDMARDs) ansprechen, verringert der selektive JAK-1-Inhibitor Upadacitinib die Krankheitszeichen hoch signifikant. Die Nutzen-Risiko-Relation des JAK-1-Inhibitors wird in der Phase-3-Studie SELECT-NEXT als vorteilhaft bewertet.

Hintergrund

Die Behandlungsstrategie für Patienten mit rheumatoider Arthritis erfolgt nach dem Prinzip „treat-to-target“: Innerhalb von 6 Monaten nach Beginn der Therapie sollte die Krankheitsaktivität niedrig sein. Methotrexat ist im Allgemeinen das Mittel der Wahl für die Erstlinie, unter Umständen kombiniert mit anderen csDMARDs oder einem biologischen DMARD (bDMARD). Trotz vieler Optionen erreicht ein Teil der Patienten das Behandlungsziel nicht. Die SELECT-NEXT-Studie ist eine prospektiv randomisierte, noch laufende Phase-3-Untersuchung, in der Upadacitinib bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer (RA) auf Effektivität und Sicherheit geprüft wird. Die internationale Studie läuft unter Federführung eines Teams der Charité Berlin. Die Teilnehmer haben auf folgende csDMARDs nicht ausreichend angesprochen: Methotrexat, Sulfasalazin oder Leflunomid.

Design

  • Randomisierung: 661 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer RA nach den Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) und unzureichendem Ansprechen auf csDMARDs, 13 % der Patienten auch auf maximal ein bDMARD
  • durchschnittliche Krankheitsdauer vor Beginn der Studie: 7,25 Jahre; durchschnittliches Alter: 56 Jahre
  • Therapie: doppelt verblindet mit
    • 15 mg einer verzögert freigesetzten Formulierung von Upadacitinib (n=221),
    • 30 mg dieses Wirkstoffs (n=219) oder
    • Placebo (n=221)
  • bis zu 2 csDMARD als „backbone“-Therapie erlaubt
  • primärer Endpunkt: Anteil der Patienten, die nach 12 Wochen eine mindestens 20%ige Verbesserung im ACR-Score erreichten (ACR20) und eine Verminderung der Krankheitsaktivität, mit einem Disease Activity Score 28-CRP (DAS28-CRP) von maximal 3,2. Der DAS28-CRP ist eine Modifikation des DAS für 28 Gelenke, der den Entzündungsparameter CRP einbezieht.

Hauptergebnisse

Den primären Endpunkt der Studie auf Baisis der ACR20 erreichten 64 % der Teilnehmer in der Verumgruppe mit 15 mg Wirkstoff, 66 % in der Gruppe mit 30 mg Upadacitinib und 36 % unter Placebo (p

Eine geringe Krankheitsaktivität (DAS28-CRP max. 3,2) wurde von jeweils 48 % der Patienten in den beiden Upadacitinib-Dosierungen erreicht und bei 17 % unter Placebo.

Außerdem erzielten 38 % und 43 % der mit Verum behandelten Patienten ein ACR50-Ansprechen im Vergleich zu 15 % in der Placebogruppe. Das Sicherheitsprofil des JAK-Inihibitors sei akzeptabel, so die Autoren, wenn auch Infektionen und Abbrüche der Therapie wegen unerwünschter Effekte unter Verum etwas häufiger gewesen seien als bei Placebo.

Es gab keine therapieassoziierten Todesfälle.

Klinische Bedeutung

Der selektive JAK-1-Inhibitor Upadacitinib könnte eine mögliche neue Therapieoption werden für Patienten mit lang bestehender rheumatoider Arthtritis, deren Krankheitsaktivität durch herkömmliche Behandlungen nicht ausreichend vermindert werden kann. Die Effektivität von Upadacitinib ist belegt, das Sicherheitsprofil der Substanz der Studiengruppe zu Folge akzeptabel. Noch allerdings gibt es keine Langzeitdaten.

Finanzierung: AbbVie