Therapie von COVID-19-Patienten mit Rekonvaleszenten-Plasma: aussichtsreiche Option

  • Lancet Infect Dis, J Clin Invest

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Vorbild MERS, SARS, Schweinegrippe: Bei Infektionen durch neuartige Viren wie diese haben Therapien mit Rekonvaleszenten-Seren die Viruslast schnell reduzieren, schwere Verläufe bremsen und die Sterblichkeit senken können. Infektiologen drängen darauf, das Wissen aus der jüngsten Vergangenheit für die aktuelle SARS-CoV-2-Pandemie zu nutzen und die Entwicklung der Serumtherapie für COVID-19-Patienten rasch zu fördern.

 

Hintergrund
Das Prinzip der Serumtherapie ist vor 125 Jahren von Emil von Behring entwickelt worden: Seren von Tieren, die Diphtherie- oder Tetanuserregern gegenüber exponiert wurden, enthielten so genannte Antitoxine. Diese Diphtherie- und Tetanus-Antoxine – Antikörper, wie sich später herausstellte – retteten als passive Immunisierung vielen Patienten das Leben.

Nun haben Infektiologen die Anwendungen der Serumtherapie bei Epidemien durch neuartige Erreger auf die Frage hin untersucht, ob Plasma oder Serum von genesenen Menschen in kurzer Zeit sicher aufbereitet werden kann und welchen Behandlungsergebnis sich bei akut Kranken mit schweren Verläufen erzielen ließ (1, 2).

Design

  • systematische Literaturrecherchen zur Effektivität und Sicherheit von Rekonvaleszenten-Serum oder -Plasma gegen
    • Ebola
    • MERS (Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus)
    • SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus) und
    • pandemische Influenza A H1N1 (H1N1pdm09)

Hauptergebnisse

Bei der Influenza-Pandemie 2009/2010 durch Influenza A H1N1 („Schweinegrippe“) sind intensivpflichtigen Erkrankten in einer größeren Kohortenstudie Plasmapräparationen von auskurierten Patienten injiziert worden. Die freiwilligen Plasmaspender hatten eine labordiagnostisch bestätigte Influenza A H1N1 seit mindestens 14 Tagen überstanden, die Sicherheit der Blutprodukte wurde nach üblichem Stanbdard mit PCR untersucht. Die Mortalität der ICU-Patienten, die die Serumtherapie erhielten, betrug 20 % vs. 54 % in der Vergleichsgruppe

Bei der SARS-Epidemie, beginnend 2002 in Asien, erhielten ebenfalls in einer Kohortenstudie in Hong Kong 80 intensivpflichtige Patienten Rekonvaleszenten-Seren. Die Prognose der Behandelten war günstiger als die der Nicht-Behandelten, eine frühe Serumtherapie (maximal 14 Tage nach Infektion) erfolgreicher als eine späte. In Rekonvaleszenten-Seren wurden durchschnittliche Antikörpertiter von 1 : 61 nachgewiesen.

Anders bei der Verwendung von Rekonvaleszenten-Serum für MERS-Patienten. Nur ein Teil der Serumaufbereitungen brachte Verbesserung für akut Infizierte, die Antikörpertiter waren zu niedirg.

Auch bei der Serumtherapie von Ebolakranken in Sierra Leone sank die Sterblichkeit im Vergleich zum Therapiestandard, vor allem, wenn sie mit anderen Medikamenten kombiniert wurde.

Entscheidend seien

  • eine Population geeigneter freiwilliger Spender,
  • die Infrastrukturen von Blutbanken,
  • Zugang zu Standard-Assays auf therapeutische Antikörper zum einen, aber auch auf sicherheitsrelevante Faktoren wie HIV- und Hepatitis-Kontaminationen und
  • wissenschaftliche Begleitung der Entwicklung und Herstellung mit einem Regulativ.

Klinische Bedeutung
Als wesentliche Mechanismen einer passiven Immunisierung, die protektiv und therapeutisch gegen SARS-CoV-2 wirken, werden die Virusneutralisierung und die antikörperabhängige Zytotoxizität (ADCC) gesehen. Rekonvaleszentenseren könnten sowohl in der Früh-, als auch in der Spätphase einer Infektion sehr nützlich sein so die Autoren. Die Herstellung dauere nicht so lang wie bei einem herkömmlichen Medikament und sei trotzdem sicher.

So lange kein Impfstoff verfügbar sei oder ein gut wirksames Medikament, sollten die betroffenen Länder auch Rekonvaleszentenseren nutzen.
 

Finanzierung: National Institut e s of Health