Therapie der latenten Hypothyreose verbessert weder Symptome noch die Lebensqualität


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten, deren TSH-Werte über 4,0 mU/L liegen, die aber ansonsten unauffällig sind, wird durch die Substitution mit L-Thyroxin weder die Lebensqualität verbessert, noch werden etwaige Schilddrüsen-abhängige Symptome gelindert.

Hintergrund

Die Frage, ob Patienten mit einer subklinischen Unterfunktion der Schilddrüse von Thyroxin profitieren, ist nicht ausreichend geklärt. Der Chance, durch die Substitutionstherapie eine manifeste Hypothyreose abzuwenden, steht ein erhöhtes Risiko für Frakturen gegenüber.

Design

Meta-Analyse randomisierter klinischer Studien bei Erwachsenen mit subklinischer Schilddrüsenunterfunktion zu Lebensqualität und thyroidären Symptomen bei einer Substitutionstherapie mit Thyroxin gegenüber Placebo oder keiner Therapie. Ergebnisunterschiede nach einer Nachverfolgung von mindestens 3 Monaten wurden rechnerisch transformiert in standardisierte mittlere Differenzen (SMDs), wobei positive Zahlen einen Vorteil für die Substitutionstherapie bedeuten und Werte von 0,2 / 0,5 und 0,8 kleinen, mittleren und großen Effekten entsprechen.

Hauptergebnisse

  • Nur 21 von ursprünglich 3088 identifizierten Publikationen erfüllten die Einschlusskriterien für diese Meta-Analyse.
  • Nach einer Behandlungsdauer zwischen 3 und 18 Monaten in diesen Studien war die Thyroxin-Substitution mit einer Rückkehr der Thyreotropin-Werte in den Referenzbereich von 0,5 – 3,7 mlU/L assoziiert, die Gabe von Placebo aber nicht (4,6 – 14,7 mlU/L).
  • Trotz der Normalisierung der Werte zeigte sich unter der Substitutionstherapie im Vergleich zu Placebo kein Unterschied in der Lebensqualität (n = 796, SMD = – 0,11; 95%-Konfidenzintervall – 0,25 bis 0,03), und auch nicht bei den Schilddrüsen-abhängigen Symptomen (n = 858, SMD = 0,01; 95%-KI -0,12 bis 0,14).

Klinische Bedeutung

Die Meta-Analyse bestätigt die Anhänger eines konservativen Vorgehens: Ein moderat erhöhter TSH-Wert ist per se noch kein hinlänglicher Grund für eine Substitutionstherapie. Es fehlen konkrete Hinweise auf einen Nutzen bezüglich der Symptomatik und der Lebensqualität, sodass die Behandlung nur in wohl begründeten Ausnahmen erfolgen sollte.

Finanzierung: Schweizerischer Nationalfonds.