Therapie der Achilles-Sehnenruptur: abhängig von individuellen Parametern und Patienten-Willen


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Bei einer Achilles-Sehnenruptur können mit einer operativen Therapie geringere Re-Rupturraten als mit konservativen Therapien erzielt werden, allerdings für den Preis höherer Komplikationsraten. Außerdem ist die Inzidenz der Re-Rupturen insgesamt niedrig. Die Wahl der Therapie sollte aufgrund individueller Patienten-Faktoren und in Absprache mit den Patienten getroffen werden. 

Hintergrund

Die Ruptur der Achilles-Sehne ist eine häufige Verletzung, die Inzidenz beträgt jährlich etwa 31 Rupturen auf 100.000 Personen. Betroffen sind meist relativ junge und aktive Menschen, wobei die Inzidenz bei älteren Menschen zunehmen soll, da immer mehr von ihnen körperlich aktiv sind und Sport treiben.

Design 

Metaanalyse von 29 Studien. Ausgewertet wurden zehn randomisierte und kontrollierte Studien mit 944 Patienten (6%) und 19 Beobachtungsstudien mit knapp 15.000 (94%) Patienten. Hauptendunkte waren die Re-Rupturrate und therapie-bedingte Komplikationen.

Hauptergebnisse

  • Die Re-Rupturrate war nach operativer Therapie signifkant geringer als nach konservativer (2,3 versus 3,9 Prozent). Der absoluten Risikoreduktion (1,6 Prozentpunkte) entspricht eine relative von 57 Prozent (p
  • Komplikationen waren hingegen nach operativer Therapie signifikant häufiger (4,9 versus 1,6 Prozent), was einem Risikoverhältnis von 2,76 entspricht (1,84 - 4,13; p
  • Der Unterschied bei den Komplikationsraten kam hauptsächlich durch eine höhere Inzidenz an Infektionen nach operativer Therapie zustande.
  • Keinen signifikanten Unterschied bei der Re-Rupturrate zwischen der operativen und konservativen Therapie gab es in Studien, in denen die konservativ behandelten Patienten innerhalb von drei Wochen eine forcierte funktionelle Rehabilitation erhielten.

Klinische Bedeutung

Die Re-Rupturraten sprechen zunächst für die operative Therapie; auch frühere Studien haben geringere Re-Rupturraten nach operativer Therapie ergeben. Aber: die Re-Rupturraten sind insgesamt relativ niedrig, die Unterschiede gering; außerdem ist nach operativen Eingriffen die Komplikationsrate höher. Darüber hinaus können mit einer konservativen Therapie und forcierten funktionellen Rehabilitation womöglich gleichwertige Resultate bei der Rupturrate erzielt werden, wie eine Subgruppenanalyse innerhalb der Metaanalyse gezeigt hat. Die Aussagekraft dieser Subgruppenanalyse ist aufgrund der geringen Patientenzahl jedoch eingeschränkt. Die Aussagekraft der gesamten Metaanalyse wird insbesondere durch die große Heterogenität der ausgewerteten Studien eingeschränkt, von denen die Mehrheit außerdem Beobachtungsstudien waren. Die Autoren empfehlen, die Wahl der Therapie von individuellen Patienten-Faktoren abhängig zu machen und gemeinsam mit den Patienten zu treffen (shared decision making). 

Finanzierung: nach Angaben der Autoren gab es keine finanzielle Förderung.