The Lancet Countdown 2019: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit

  • The Lancet

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Laut des The Lancet Countdown-Berichts 2019 ist die Gesundheit heute geborener Kinder am stärksten vom Klimawandel betroffen. Mutige neue Ansätze aus Politik, Forschung und Wirtschaft sind erforderlich, um den Klimawandel entgegenzutreten und so Gesundheitsfolgen für die Weltbevölkerung zu minimieren.

Hintergrund

The Lancet Countdown ist eine internationale, multidisziplinäre Zusammenarbeit, die die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit der Weltbevölkerung im Rahmen des Pariser Abkommens unabhängig bewertet.

Der Bericht 2019 enthält eine jährliche Aktualisierung von 41 Indikatoren in fünf Schlüsselbereichen:

  • Auswirkungen des Klimawandels,
  • Anpassung, Planung und Belastbarkeit für die Gesundheit,
  • Minderungsmaßnahmen und gesundheitliche Beeinträchtigungen,
  • Wirtschaft und Finanzen,
  • öffentliches und politisches Engagement.

Der Bericht repräsentiert die Ergebnisse und den Konsens von 35 führenden akademischen Institutionen und UN-Organisationen. Jedes Jahr werden die Methoden und Daten, die den Indikatoren des Lancet Countdown zugrunde liegen, weiterentwickelt und verbessert. Aktualisierungen werden in jeder Phase dieses Berichts beschrieben. Die Zusammenarbeit stützt sich auf die Expertise von Klimaforschern, Ökologen, Mathematikern, Ingenieuren, Energie-, Lebensmittel- und Verkehrsexperten, Ökonomen, Sozial- und Politikwissenschaftlen, Angehörigen der Gesundheitsberufe, und Ärzten, um die Qualität und Vielfalt der erforderlichen Daten zu analysieren.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit

Der gemessen anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen ist in erster Linie auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurückzuführen. Obwohl Maßnahmen unternommen wurden, die Kohlendioxidemissionen zu minimieren, stellten Forscher auch im Jahr 2018 einen weiteren Anstieg der Emissionen fest.

Ein Kind, das heute geboren wird, erlebt eine Welt, die mehr als vier Grad wärmer ist als der vorindustrielle Durchschnitt. Der Klimawandel wirkt sich auf die menschliche Gesundheit vom Säuglingsalter über die Pubertät bis zum Erwachsenenalter und im Alter aus.

Weltweit sind Kinder am stärksten vom Klimawandel betroffen

Der Klimawandel bedingt schon jetzt in einigen Regionen der Welt Nahrungsmittelknappheit, Durchfallerkrankungen und die Ausbreitung von Infektionserkrankungen (bspw. Dengue-Fieber), die Säuglinge und Kinder maßgeblich in ihrer Entwicklung einschränken.

In der Pubertät und darüber hinaus schädigt die Luftverschmutzung Herz, Lunge und andere lebenswichtige Organe. Die Auswirkungen der Luftverschmutzung häufen sich im Laufe der Zeit und im Erwachsenenalter, wobei die weltweiten Feinstaub-induzierten Todesfälle stetig steigen.

Später im Leben sind Familien durch die Zunahme und den Schweregrad extremer Wetterlagen gefährdet. Weltweit verzeichneten 77 % der Länder einen Anstieg der Waldbrandexpositionen. In einkommensschwachen Ländern sind fast alle wirtschaftlichen Verluste durch extreme Wetterereignisse nicht versichert, was eine besonders hohe Belastung für Einzelpersonen und Haushalte darstellt.

Temperaturanstieg und Hitzewellen begrenzen zunehmend die Arbeitskapazität einiger Bevölkerungsgruppen. Im Jahr 2018 gingen weltweit 133,6 Milliarden potenzielle Arbeitsstunden verloren, 45 Milliarden mehr als im Jahr 2000. In den südlichen Gebieten der USA gingen im heißesten Monat 2018 15 bis 20 % der potenziellen Tageslichtarbeitsstunden verloren.

Bevölkerungsgruppen ab 65 Jahren sind besonders anfällig für die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels und insbesondere für extreme Hitze. Im Jahr 2018 waren diese gefährdeten Bevölkerungsgruppen weltweit 220 Millionen Hitzewellen ausgesetzt, womit der bisherige Rekord von 209 Millionen im Jahr 2015 gebrochen wurde.

Die nachgelagerten Risiken des Klimawandels, wie Migration, Armut, gewaltsame Konflikte und psychische Erkrankungen, sind zwar schwer zu quantifizieren, betreffen jedoch Menschen jeden Alters und jeder Nationalität.

Finanzierung: Wellcome Trust