Tests auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen: Hilft viel wirklich viel?


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernaussagen

  • Mit der PrEP steigt das Risiko für andere sexuell übertragbaren Infektionen (sexually transmitted infections, STI).

  • Bei der PrEP-Einnahmen sind regelmäßige Tests auf HIV vorgesehen.

  • Zusätzliche Tests auf Syphilis können sinnvoll sein. Eine nicht oder spät entdeckte Infektion verursacht großen Schaden.

  • Bei anderen Geschlechtskrankheiten gilt jedoch: Mehr ist nicht mehr.

 

Die Zahl der STI steigt weltweit. Und gerade im Zusammenhang mit der PrEP steht die Befürchtung im Raum, dass der Schutz vor HIV gleichzeitig zu einer Nachlässigkeit im Hinblick auf andere STI führen könnte. Dementsprechend kann es sinnvoll sein, regelmäßige Tests auf andere Geschlechtskrankheiten wie Syphilis, Clamydien und Gonorrhö durchzuführen. Doch ob immer mehr Tests auf immer mehr denkbare Erreger auch wirklich mehr Gesundheit bringen, ist zweifelhaft, wie Armin Schafberger, Medizinreferent der Deutschen Aidshilfe kommentiert.

 

Welche Tests sind sinnvoll?

Mit der PrEP wurde auch die vierteljährliche Testung auf HIV eingeführt. Der Hintergrund: Sollte es trotz PrEP zu einer Ansteckung kommen, gilt es, die Resistenzbildung durch eine unzureichende „Therapie“ mit den beiden mit der PrEP verabreichten Wirkstoffen zu verhindern. Außerdem gilt: Je früher eine Infektion erkannt wird, desto geringer ist die Gefahr, dass weitere Personen angesteckt werden.

Da es sich bei den PrEP-Anwendern in der Regel um Menschen handelt, die aufgrund ihres Sexualverhaltens ausser einem hohen Risiko für HIV auch ein hohes Risiko für andere STI haben, gilt die Empfehlung, auch auf diese regelmäßig zu testen. Tatsächlich sei es sinnvoll, ausser HIV auch Syphilis-Erkrankungen zu vermeiden beziehungsweise möglichst frühzeitig zu erkennen, schreibt Scharfberger. Schäden durch unerkannte Infektionen seien bei beiden STI groß.

Doch er mahnt, dass moderne diagnostische Verfahren, die es ermöglichen, mit einem Schleimhautabstrich gleich auf 10 oder sogar 26 verschiedene Geschlechtskrankheiten zu testen, möglicherweise über das Ziel hinausschießen. Ein Rechenbeispiel: Testet man auf Gonokokken, Chlamydien und Mykoplasmen, wird man bei 20 Prozent der sexuell aktiven Menschen fündig. Je mehr Erreger dazukommen, desto höher die Trefferquote.

Ein weiteres Problem: Immer empfindlichere Tests weisen Infektionen nach, die sich nicht etablieren können, ebenso wie abgestorbene Erreger. Die Zahl der falsch positiven Tests steigt. Auch dass ausser den Gechlechtsorganen weitere Abstrichorte untersucht werden,  treibt die Zahl der positiven, aber nicht unbedingt sinnvollen Tests in die Höhe.

 

Fazit: Überlegt testen

Die Konsequenz: Immer mehr Diagnosen führen zu immer mehr Antibiotika-Einsatz. Und je mehr Antibiotika zum Einsatz kommen, umso mehr Resistenzen entstehen. Das schadet letztlich allen.

Es gilt demnach, wohl überlegt zu testen. Tests auf HIV und Syphilis sind sicher sinnvoll. Doch für andere Geschlechtskrankheiten gilt: „Allzu viel ist ungesund. Mehr Tests und häufigere Tests verursachen mehr Antibiotikaeinsatz bei klinisch Gesunden und mehr Resistenzen. Das ist schädlich für die Gesundheit der/des Einzelnen und auch für die Allgemeinheit.“