Testosteron: US-Forscher vermessen den gar nicht so kleinen Unterschied bei Jugendlichen

  • JAMA

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei den Testosteronwerten gibt es ab dem 15 Lebensjahr klare Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Jugendlichen, die in einer großen Studie mit hoher Präzision bestimmt wurden und eine genauere Beurteilung des natürlichen Verlaufs ermöglichen sollten.

Hintergrund

Die Daten zum Verlauf der Testosteronspiegel bei Kindern und Jugendlichen beider Geschlechter stammen zumeist aus Stichproben, die vermutlich nicht repräsentativ sind. Außerdem wurden sie mit Tests von begrenzter Empfindlichkeit und Genauigkeit gemessen, schreiben US-amerikanische Ärzte in einem „Research Letter“ an das Standesorgan JAMA. Sie glauben, dass solche Daten hilfreich sein könnten bei Pubertierenden mit Störungen der Entwicklung und des Androgenhaushaltes sowie zur Unterscheidung der Geschlechter bei sportlichen Wettbewerben.

Design

Analyse des Beginns und der Größenordnung der Divergenz der Testosteronspiegel beider Geschlechter im Alter zwischen 6 und 20 Jahren unter Verwendung eines hochgenauen Tests (Tandem Isotopenverdünnungs-Flüssigkeitschromatographie/Massenspektrometrie). Die Proben stammten aus 2 Phasen des National Health and Nutrition Examination Survey, einer repräsentativen Erhebung in den USA in den Jahren 2013/14 und 2015/16. Die Rücklaufrate unter jugendlichen Teilnehmern hatte ca. 70 % betragen, und unter diesen hatten wiederum 80 % der Entnahme von Blutproben für die Testosteronbestimmung zugestimmt.

Ergebnisse

  • Es wurden 4495 Proben der in den USA am stärksten repräsentierten Ethnien untersucht, die untereinander jedoch keine statistisch signifikanten Differenzen zeigten.
  • Bei den Mädchen/Frauen nahmen die medianen Testosteronkonzentrationen von 2,4 auf 29,5 ng/dL zu, wobei – beginnend mit dem 15. Lebensjahr ein Plateau erreicht wurde.
  • Wesentlich stärker war der Anstieg bei den Jungen/Männern. Deren Werte nahmen von 1,9 auf 519 ng/dL zu, und das Plateau begann erst mit dem 18. Lebensjahr.
  • Zwischen 6 und 10 Jahren hatte es keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gegeben; erst danach waren die Testosteronspiegel bei den männlichen Studienteilnehmern höher als bei den weiblichen.
  • Nach dem Ende des altersbedingten Testosteronanstiegs mit 14 Jahren bei den weiblichen Teilnehmern gab es fast keine Überschneidung mehr mit den Werten der jungen Männer: Lediglich 8 von 949 „weiblichen“ Proben lagen mit mindestens 100 ng/dL in der obersten Perzentile, und gleichzeitig in dem Bereich der untersten Perzentile für die männlichen Teilnehmer.

Klinische Bedeutung

Mit den präzisen Messungen einer hohen Zahl von Proben konnten die Forscher eine Tabelle erstellen, die altersadjustiert die Perzentilen bezüglich der Testosteronkonzentrationen für beide Geschlechter auflistet. Dies könnte die Diagnose von Stoffwechsel- und Entwicklungsstörungen erleichtern und außerdem die Datenbasis für die Erkennung nicht-physiologischer Veränderungen bei Leistungssportlern verbessern.

Finanzierung: Keine Angaben.