„Testen und Therapieren“ sowie hohe Virussuppression sind keine Garanten für eine Reduktion der HIV-Inzidenz


  • Daniela Ovadia — Agenzia Zoe
  • Medical News
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Kernbotschaften

  • Der geringste Unterschied bei der Virussuppression zwischen Interventions- und Kontroll-Gruppen ging mit dem größten Effekt auf die HIV-Inzidenz einher.
  • Eine hohe Virussuppression von 68 bis 88 Prozent, die in drei Studien bei HIV-Infizierten erreicht wurde, die zu Gemeinschaften in hoch belasteten Settings gehören, reicht nicht aus, um die HIV-Inzidenz zu senken.
  • Nicht-Erreichbarkeit von Personen und Test-Lücken sind Faktoren, die die Effektivität der Interventionen einschränken. 

Die Virussuppression bei HIV-Infizierten kann durch allgemeine Maßnahmen und Routine-Versorgung zwar verbessert werden, aber es muss mehr getan werden, um das Ziel des Gemeinsamen Programmes der Vereinten Nationen für HIV/Aids, die Beendigung der AIDS-Epidemie, zu erreichen.

Ein Editorial zu drei neuen Studien im „New England Journal of Medicine“ betont die verschiedenen Effekte von universellen Test- und Therapie-Strategien auf die HIV-Inzidenz in hoch belasteten Umgebungen sowie die Herausforderungen einer wirksamen HIV-Prävention.

In diesen drei Studien reichte die Virussuppression von 68 bis 88 Prozent. Der geringste Unterschied bei der Virussuppression zwischen Interventions-Gruppen und Kontroll-Gruppen (5% in der Ya- Tsie-Studie in Botswana) ging mit dem größten Effekt auf die HIV-Inzidenz - minus 30% - einher. Der Unterschied war allerdings statistisch nicht signifikant. 

Im Gegensatz dazu waren die größten Unterschiede mit dem geringsten Effekt verbunden. In der SEARCH-Studie (Kenia und Uganda) führte die um elf Prozent höhere Prävalenz der Virussuppression in den Interventions-Gruppen zu einer kumulativen 3-Jahres-Inzidenz von HIV, die der Inzidenz in den Kontroll-Gruppen entsprach. In der PopArt-Studie (Sambia und Südafrika) hatte jene Gruppe, bei der Test-Präventions-Strategien plus ART gemäß den lokalen Empfehlungen angewendet wurden, eine um sieben Prozent höhere Virussuppression und eine um 30 Prozent geringere HIV-Inzidenz als die Gruppe mit der Standard-Versorgung.

Keinen großen Effekt auf die HIV-Inzidenz gab es in der Gruppe mit kombinierten Präventions-Programmen und genereller ART, wodurch im Vergleich zur Standardtherapie eine um 12 Prozent höhere Virussuppression erreicht wurde.

Ausserdem kann die Effektivität  einer Intervention durch die Zeit zwischen der HIV-Infektion und einem positiven Test geschmälert werden, da die Übertragung bei einer frischen Infektion effizienter ist.

Hohe HIV-Inzidenzraten in Interventions-Gruppen trotz intensiver ART lassen schlussfolgern, dass mehr getan werden muss, um vor allem bei schwer zu erreichenden Bevölkerungsgruppen und den Test-Lücken etwas zu bewirken.