Terminale Niereninsuffizienz: Bei Hitze ist die Sterblichkeit deutlich erhöht


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Außentemperaturen, die für die jeweilige Region ungewöhnlich hoch sind, führen bei terminal niereninsuffizienten Patienten, die dialysiert werden, häufiger zu stationären Behandlungen als Temperaturen ohne Spitzenwerte. Die Sterblichkeit ist bei extremer Hitze um 31 % erhöht. Besonders gefährdet sind die Untergruppen der Patienten, die zusätzlich zur terminalen Niereninsuffizienz eine koronare Herzkrankheit haben, eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder Typ-2-Diabetes.

Hintergrund
In vielen Regionen der Erde sind in den letzten beiden Jahrzehnten Perioden mit regional ungewöhnlich hohen Temperaturen häufiger geworden, unter anderem auf dem amerikanischen Kontinent, aber auch in Europa. Aus Kasuistiken gibt es Hinweise, dass bei regional deutlich erhöhten Außentemperaturen das Risiko für Nierenschädigungen ansteigt, zum Beispiel für ein akutes Nierenversagen. Und bei bestehendem Nierenversagen kann sich der Krankheitszustand Kasuistiken zu Folge akut verschlechtern. In einer großen Kohortenstudie mit dialysepflichtigen Patienten in den USA sind die gesundheitlichen Folgen von Hitzeperioden untersucht worden (1).

Design

  • Analyse von stationärer Aufnahme und Mortalität bei 7.445 Patienten, die in den Großstädten Boston, New York und Philadelphia lebten und dialysiert wurden.
  • Die Häufigkeit der stationären Aufnahme in Hitzewellen und das Sterblichkeitsrisiko wurden verglichen mit den Risiken der Patienten außerhalb von Hitzeperioden.
  • Tage mit extremer Hitze waren definiert als Tage, an denen die Temperaturen oberhalb der 95. Perzentile des Durchschnitts aus 30 Jahren (1960-89) am selben Kalendertag und in derselben Region lagen.

Hauptergebnisse
Die 7.445 Studienteilnehmer waren durchschnittlich 61,1 Jahre alt. Im Beobachtungszeitraum von Anfang 2001 bis Ende 2012 hatte es 44.941 stationäre Behandlungen gegeben, 2.953 Studienteilnehmer starben. An Tagen extremer Hitze war das Risiko für stationäre Aufnahme um 27 % am selben Tag erhöht und das Sterblichkeitsrisiko um 31 %. Waren die Studienteilnehmer zusätzlich herzkrank, stieg das Mortalitätsrisiko bei Hitze um 55 %, hatten sie zusätzlich COPD stieg es um 60 % und bei Typ-2-Diabetes um 83 %.

Klinische Bedeutung
Dialysepatienten müssen diätetische Vorgaben einhalten wie Restriktionen in der Trinkmenge und der Aufnahme von Kochsalz und anderen Elektrolyten, um starke Flüssigkeitsansammlungen zu vermeiden. Bei starker Hitze, die zu Dehydration und vermehrtem Elektrolytverlust führen könne, hätten Dialysepatienten ein erhöhtes Risiko, dass sich ihr Krankheitszustand verschlechtere, so die Autoren. Derzeit gebe es keine international konsentierten Empfehlungen dazu, wie Ärzte terminal Niereninsuffiziente bei Hitzeperioden beraten sollten. Es sei dringend notwendig, solche Empfehlungen zu erarbeiten, denn es sei in Zukunft damit zu rechnen, dass Hitzewellen weiter zunähmen.

Der Sommer 2019 ist nach vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes der drittwärmste seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen 1881 in Deutschland (2). Die Durchschnittstemperatur des Sommers lag bei 19,2 ° Celsius, nur die Sommer 2003 und 2018 waren mit durchschnittlich 19,7 ° und 19,3 ° Celsius wärmer. Und erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen wurden > 42 ° Celsius gemessen: zum Beispiel 42,6 ° Ende Juli in Niedersachsen.     

Finanzierung: keine Angaben