Tenofovir gegenüber Placebo zur Vorbeugung einer perinatalen Übertragung von Hepatitis B

  • New England Journal of Medicine

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ABSTRACT

HINTERGRUND

Schwangere Frauen mit einer erhöhten Viruslast des Hepatitis-B-Virus (HBV) tragen das Risiko, die Infektion auf ihre Säuglinge zu übertragen, selbst wenn die Säuglinge ein Immunglobulin für Hepatitis B erhalten.

METHODEN

In dieser multizentrischen, doppelblinden klinischen Studie, die in Thailand durchgeführt wurde, wiesen wir Hepatitis-B-e-Antigen(HBeAg)-positiven schwangeren Frauen mit einem Alaninaminotransferase-Spiegel von höchstens 60 IE pro Liter von der 28. Schwangerschaftswoche bis 2 Monate nach der Geburt nach dem Zufallsprinzip eine Behandlung mit Tenofovirdisoproxilfumarat (TDF) oder Placebo zu. Säuglinge erhielten bei der Geburt ein Hepatitis-B-Immunglobulin und eine Hepatitis-B-Impfung sowie weitere Hepatitis-B-Impfungen nach 1, 2, 4 und 6 Monaten. Der primäre Endpunkt war ein positiver Status für das Hepatitis-B-Oberflächenantigen (HBsAg) beim Säugling, der mittels HBV-DNA-Spiegel im Alter von 6 Monaten bestätigt wurde. Unseren Berechnungen zufolge würde eine Stichprobe von 328 Frauen für die Studie eine Aussagekraft von 90 % liefern, um einen Unterschied von mindestens 9 Prozentpunkten in der Übertragungsrate zu erkennen (erwartete Rate: 3 % in der TDF-Gruppe gegenüber 12 % in der Placebogruppe).

ERGEBNISSE

Von Januar 2013 bis August 2015 nahmen wir 331 Frauen auf; 168 Frauen wurden nach dem Zufallsprinzip der TDF-Gruppe zugewiesen und 163 der Placebogruppe. Bei der Aufnahme lag das mediane Gestationsalter bei 28,3 Wochen, der mittlere HBV-DNA-Spiegel bei 8,0 log10 IE pro Milliliter. Unter den 322 Entbindungen (97 % der Teilnehmer) gab es 319 Ein-Kind-Geburten, zwei Zwillingsgeburten und eine Totgeburt. Die mediane Dauer von der Geburt bis zur Gabe des Hepatitis-B-Immunglobulins lag bei 1,3 Stunden und die mediane Dauer von der Geburt bis zur Verabreichung der Hepatitis-B-Impfung bei 1,2 Stunden. In der primären Analyse war keiner der 147 Säuglinge (0 %; 95 %-Konfidenzintervall [KI]: 0 bis 2) in der TDF-Gruppe infiziert, verglichen mit 3 infizierten Säuglingen von 147 (2 %; 95 %-KI: 0 bis 6) in der Placebogruppe (p = 0,12). Die Rate unerwünschter Ereignisse war zwischen den Gruppen nicht signifikant unterschiedlich. Die Inzidenz eines mütterlichen Alaninaminotransferase-Spiegels von mehr als 300 IE pro Liter nach Abbruch des Studienbehandlungsschemas lag in der TDF-Gruppe bei 6 % und in der Placebogruppe bei 3 % (p = 0,29).

SCHLUSSFOLGERUNGEN

In einem Umfeld, in dem die Rate der HBV-Übertragung von der Mutter auf das Kind bei Gabe des Hepatitis-B-Immunglobulins und Verabreichung des Hepatitis-B-Impfstoffs für Säuglinge, die von HBeAg-positiven Müttern geboren wurden, gering war, führte die zusätzliche Anwendung von TDF bei der Mutter nicht zu einer signifikant niedrigeren Übertragungsrate. (Gesponsert vom Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health and Human Development; ClinicalTrials.gov-Nummer: NCT01745822.)