Tempo: Je schneller die Musik, desto schneller wird gegessen, am schnellsten allerdings in der Stille

  • Appetite

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Musik beeinflusst das Essverhalten: Menschen essen schneller, wenn Musik ein höheres Tempo hat, und langsamer, wenn auch die Musik langsam ist. Außerdem ist für das Essen bei Musik von Bedeutung, ob die aufeinander folgenden Töne einzeln betont oder verbunden werden (staccato, legato), allerdings nicht so sehr wie die Geschwindigkeit der Musik. Am schnellsten allerdings essen Menschen ohne Musik, also in der Stille.

Hintergrund
Konsum- und Essverhalten von Menschen haben individuelle Komponenten, lassen sich aber durch viele Faktoren der Umgebung beeinflussen. Dazu gehört Musik. Zwischen der Geschwindigkeit des Essens und der Energieaufnahme gibt es einen Zusammenhang: Je schneller Menschen essen, desto höher ist im Allgemeinen der Energiegehalt der Nahrung, bei dem ein Sättigungsgefühl einsetzt. Deshalb ist die Frage von Interesse, ob das Tempo der Musik und deren Artikulation die Essgeschwindigkeit beeinflussen können - und damit möglicherweise auch die Energieaufnahme.

Design

  • Teilnehmer: 137 Männer und Frauen (> 16 Jahre), von 97 im Durchschnittsalter von 33,8 Jahren lagen die kompletten Daten aus den vorbereitenden Sessions und allen Einzelversuchen vor
  • Studienrahmen: mehrtägiges Forschungsfestival in der dänischen Universitätsstadt Aarhus
  • Setting
    • Lebensmittel: definierte Gesamtportion Schokolade (70 % Kakaogehalt), aufgeteilt in Einzelportionen von Schokolinsen a` 1,8 cm Durchmesser
    • Musik: Teilnehmer in Gruppen von maximal 5 Personen hörten instrumentelle Musik (Soundtracks) über Kopfhörer, die sie akustisch komplett von der Umgebung isolierten; die Musik wurde in Tempo und Artikulation (legato, staccato) verändert, so dass alle Teilnehmer die 4 Musik-Kombinationen testeten
  • Aufgaben für die Teilnehmer: detallierte Geschmacksbeschreibung der Schokolade wie süß, bitter, cremig, angenehm etc)
  • Gemessene Parameter: Geschwindigkeit des Essens der Schokoladenportionen über eine für die Teilnehmer unsichtbare Stoppuhr

Hauptergebnisse
Bei der Kombination „geringes Musiktempo/legato“ aßen die Teilnehmer durchschnittlich am langsamsten (39,9 Zeiteinheiten), auch langsamer als bei der Kombination schnelle Musik/legato (Ø 36,04 Zeiteinheiten). Bei langsamer Musik/staccato betrug die durchschnittliche Essgeschwindigkeit der Portion 37,18 Zeiteinheiten, bei schnell/staccato Ø 37,56 Zeiteinheiten. Am schnellsten aßen die Probanden die Portionen ohne Musik (Ø 24,99 Zeiteinheiten). Die Unterschiede bestanden sowohl intra-, als auch interindividuell, und die meisten Unterschiede waren hoch signifikant.

Klinische Bedeutung
Mit Musik lässt sich die Essgeschwindigkeit beeinflussen. Die Forscher sehen dies als Möglichkeit, das Essverhalten von Menschen positiv zu verändern, die schnell essen und übergewichtig sind. Übergewicht und Adipositas sind die wesentlichen Risikofaktoren für Diabetes, Bluthochdruck, kardiovaskuläre Erkrankungen und chronische Nierenfunktionsstörungen.

Finanzierung: Mittel der Universität Aarhus