Telemedizin, Apps und „Big Data“- eine Chance auch in der Pneumologie


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die Digitalisierung bietet auch in der Pneumologie Chancen: Telemedizin, Apps und die Analyse der entstehenden Daten können helfen, Erkrankungen besser zu verstehen und therapeutisch zu handhaben. Zu diesen Erkrankungen zählen zum Beispiel die COPD, Asthma bronchiale und Bronchial-Karzinome. Ziel ist eine Art „Präzisionsmedizin“ in der Pneumologie. Allerdings gebe es auch Risiken, erklären der Pneumologe Professor Michael Dreher (Aachen) und seine Kollegen in einem Beitrag in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift". Risiken liegen laut Dreher zum Beispiel „in der Sicherheit im Umgang mit den Daten sowie der Datenhoheit“.

Obstruktive Lungenerkrankungen

Zu den größten Problemen in der Behandlung von Patienten mit obstruktiven Lungenerkrankungen zählen die hohe Rate an Inhalationsfehlern und die eingeschränkte Therapieadhärenz. Durch digitale Anwendungen wie Smarthaler oder telemedizinische Anbindung der Patienten z. B. über digitale Spirometer oder Apps könnten Betreuung und Krankheitsverlauf optimiert werden, so Dreher und seine Mitautoren.

Einen ersten „telemedizinischen“ Ansatz stellten webbasierte Inhalationsvideos der Deutschen Atemwegsliga dar. Die kurzen Videos seien für die gängigsten Inhalatoren und mittlerweile auch in mehreren Sprachen verfügbar. Eine erste wissenschaftliche Studie konnte den Autoren zufolge zeigen, dass mit diesen Videos Inhalationsfehler signifikant reduziert wurden. Auch Self-Management Apps stünden bereits zur Verfügung und würden ständig weiterentwickelt. Sie könnten zur Verbesserung des Krankheitsverständnisses und zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

Pneumologische Onkologie

Die Analyse großer Datenmengen könnte zukünftig die Lungenkrebs-Diagnostik verändern. So könnten durch computerunterstützte Analyseverfahren („Machine Learning“ und „Deep Learning“) immer genauere prädiktive Aussagen zu Tumor, Prognose oder Auswahl der angemessensten Therapieverfahren gemacht werden.

Pneumologische Rehabilitation

Hier habe die Digitalisierung bereits teilweise Einzug gehalten, etwa mit Apps zur Bewegungssteigerung oder Trainingsunterstützung und auch mit Smartwatches, die dazu verwendet würden, die Patienten zu mehr Bewegung zu motivieren.

Schlafmedizin und außerklinische Beatmung

Aufgrund der Möglichkeit einer kontinuierlichen Aufzeichnung verschiedener Parameter über das Beatmungsgerät seien sowohl die Schlafmedizin als auch die außerklinische Beatmung Bereiche, die digital sehr gut unterstützt werden könnten. Die Früherkennung von Exazerbationen mittels digitaler Lösungen bei den häufig kritisch kranken Patienten könnte deren Prognose verbessern. Zusätzlich könnte die Überführung einer Kontrolle der Beatmungstherapie vom stationären in den ambulanten Sektor mittels digitaler Unterstützungssysteme vereinfacht werden.

Intensivmedizin

Im Bereich der Intensivmedizin gebe es mittlerweile telemedizinische Anbindungen von Intensivstationen kleinerer Häuser an ein Haus der Maximalversorgung. Hierdurch könne die Qualität der intensivmedizinischen Versorgung flächendeckend verbessert werden. 

Finanzierung: keine  Angaben; die Autoren geben an, keine Interessenkonflikte zu haben.