Teenager-Schwangerschaften: Deutsche Studie belegt den hohen Bedarf an frühen Hilfen


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Teenager, die Kinder zur Welt bringen, leiden oft an einer psychiatrischen Erkrankung und scheinen dieses Risiko auch an den Nachwuchs weiterzugeben. Früherkennung und Unterstützung sollten deshalb verbessert werden.

Hintergrund und Design

Wenn weibliche Jugendliche noch während des Heranwachsens schwanger werden, so birgt dies Risiken für Mutter und Kind. Hier wurde der aktuelle Forschungsstand ausgehend von einer Datenbankrecherche bei PubMed dargestellt.

Hauptergebnisse

  • Die Geburtenrate je 1000 weibliche Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren lag in Deutschland im Zeitraum 2006 bis 2015 bei 8, was etwa dem Durchschnitt in Europa entspricht. Nach einem Rückgang der Zahlen in Deutschland bis 2011 auf 2936 Geburten von Minderjährigen ist der Trend seitdem ansteigend, mit 3415 Geburten im Jahr 2016. Bis zu 91 % der Betroffenen werden ungeplant schwanger.
  • Minderjährige haben im Vergleich zu erwachsenen Gebärenden ein 3,5-fach erhöhtes Risiko für Bildungsnachteile, ergab eine schwedische Kohortenstudie mit mehr als 3 Millionen Personen für die Jahre 1960 bis 1983.
  • Bei einer kinder- oder jugendpsychiatrische Erkrankung (ADHS, Depression etc.) erhöht sich das Risiko OR einer Schwangerschaft in der Adoleszenz auf 2,0 bis 12,0.
  • Adoleszente Mütter zeigen häufiger ein strengeres Erziehungsverhalten inkl. körperlichen Strafen, und auch das Misshandlungsrisiko gegenüber den Kindern ist größer als bei erwachsenen Müttern.
  • Die Weitergabe des Risikos erfolgt offenbar transgenerational, und die Kinder jugendlicher Mütter haben ein 2 – 3-fach erhöhtes Risiko für Schwierigkeiten in der psychosozialen Entwicklung, darunter Suizid, Straftaten und Gefängnisaufenthalte.

Klinische Bedeutung

Die negativen Auswirkungen einer frühen Mutterschaft sollten nicht unterschätzt werden, mahnen die Autoren. Neben der Primärprävention durch Schwangerschaftsverhütung sei es deshalb notwendig, sowohl die Mütter als auch deren Kinder frühzeitig zu identifizieren und durch frühe therapeutische Maßnahmen zu unterstützen.

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung.