TAVI sei Dank: Mick Jagger muss noch nicht in Rente gehen


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Mick Jagger, der fast 76 alte Musiker und Sänger der Rolling Stones, hat sich offenbar erfolgreich am Herzen operieren lassen. Dabei soll es sich um eine Katheter-gestützte Aortenklappen-Implantation gehandelt haben. Hierzu sind allerdings noch einige Fragen ungeklärt. 

Hohes oder niedriges OP-Risiko?

TAVI macht offenbar auch vor Prominenten nicht halt. So wie in den vergangenen Jahren viele ältere Männer habe sich auch Sir Mick Jagger per Katheter einen neue Aortenklappe implantieren lassen, melden US-Medien und die „American Heart Association“. Jagger hat den kardialen Eingriff, der in einem New Yorker Krankenhaus vorgenommen wurde, nach eigenen Angaben gut überstanden. Warum die Klappe per Katheter und nicht konventionell chirurgisch implantiert wurde, erläutern die US-Medien und die AHA nicht. Angesichts seiner früheren Neigung zu Ausschweifungen könnte Jagger durchaus zu den Patienten gehören, bei denen aufgrund eines hohen oder mittleren Op-Risikos die Katheter-gestützte Implantation erforderlich war. Nicht auszuschließen ist aber auch, dass das Op-Risiko bei Jagger - dank inzwischen gesunder und altersgemäßer Lebensweise - nur gering war und die verantwortlichen Ärzte aufgrund aktueller Studien-Daten zu dem Katheter-Eingriff rieten.

„Goldstandard“ auch bei niedrigem Risiko?

Für Patienten mit niedrigem Op-Risiko ist das Verfahren in den USA zwar noch nicht zugelassen, aber für viele Kardiologen ist die Katheter-gestützte Implantation offenbar schon jetzt der Goldstandard bei so gut wie allen Patienten mit Aortenklappenstenose. So hieß es erst vor wenigen Tagen in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, neue Studienergebnisse zeigten nun „nachdrücklich“, dass das Verfahren auch für Patienten mit niedrigem Operationsrisiko der „Goldstandard“ sei. Die Fachgesellschaft forderte daher eine Änderung der Richtlinien des gemeinsamen Bundesausschusses zu TAVI. Anlass für die Mitteilung waren die Ergebnisse von zwei Studien zur Katheter-gestützten Implantation bei Patienten mit niedrigem Operations-Risiko. Die neuen Daten bestätigten ohnehin, was in Deutschland längst Versorgungsrealität sei, so die DGK. Ein nicht unerheblicher Teil der mit TAVI behandelten Patienten seien schon jetzt der Niedrig-Risiko-Gruppe zuzuordnen, wie eine Auswertung des Deutschen Aortenklappenregisters GARY zeige.  Herzchirurgen  stehen der Katheter-Methode erwartungsgemäß etwas kritischer gegenüber als Kardiologen. Eines des Hauptargumente der Chirurgen sind die aus ihrer Sicht noch unzureichenden Langzeit-Erfahrungen zur Haltbarkeit der Klappen.  

Weitere Fragen

Ebenso unklar wie das Operations-Risiko bei Jagger ist übrigens, was ihn dazu bewog, sich als Brite in den USA und nicht in seinem Heimatland behandeln zu lassen. Oder in Deutschland, wo die Erfahrungen mit dem Verfahren vergleichsweise groß sind. Unbekannt ist auch, wie es um die Herzgesundheit von Jaggers Alter ego Keith Richard steht. Dessen Lebenswandel kann in den vergangenen Jahrzehnten bekanntlich kaum dem entsprochen haben, was Kardiologen als gesund bezeichnen könnten.