TAVI bei Aortenklappenstenose: Antifibrose-Wirkstoffe ein wichtiger Forschungsansatz

  • European Heart Journal

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften 

Bei Patienten mit fortgeschrittener Aortenklappenstenose geht auch nach TAVI eine Myokardfibrose mit einer verringerten Überlebenswahrscheinlichkeit und einem verlangsamten kardialen Rückbauprozess einer. Wirkstoffe gegen die Fibrose könnten ein neuer Therapieansatz werden. 

Hintergrund

Die Aortenklappenstenose ist die häufigste Herzklappenerkrankung im höheren Erwachsenenalter. In den letzten Jahren ist zunehmend erkannt worden, dass es sich dabei nicht allein um eine Klappenerkrankung handelt, sondern dass auch der linke Ventrikel betroffen ist. Eine wichtige Rolle spielt dabei eine Myokardfibrose, die mit einer schlechteren Prognose einhergeht. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der kathetergestützte Aortenklappenersatz (TAVI) als Alternative zum chirurgischen Eingriff bei einer fortgeschrittenen Aortenklappenstenose durchgesetzt. Bislang gab es keine Daten zum Einfluss der Myokardfibrose auf die Prognose der Patienten nach TAVI. Ärzte des Herzzentrums der Universität Göttingen sind dieser Frage daher in einer Studie nachgegangen. Über ihre Ergebnisse berichten sie nun im „European Heart Journal“ .

Design

100 Studien-Patienten (35 Frauen, 65 Männer, Durchschnittsalter 78 Jahre) wurde während des kathetergestützten Aortenklappenersatzes zusätzlich eine Gewebeprobe aus der linken Ventrikel entnommen, um einen möglichen Zusammenhang zwischen der Myokardfibrose, dem Remodeling und den klinischen Ergebnissen zu untersuchen. Nach histologischer Auswertung der Gewebeproben wurde der Langzeitverlauf von Patienten mit prozentualem Fibroseanteil in der oberen Hälfte aller gemessenen Werte mit dem von Patienten in der unteren Hälfte (d.h. oberhalb und unterhalb des Zentralwertes bzw. Medians; >11% oder

Hauptergebnisse

  • 13 von 14 kardiovaskulären Todesfällen betrafen Patienten mit einem Myokardfibrose- Anteil über dem Median. Die Berechnungen ergaben im ersten Jahr nach TAVI bei Patienten mit Myokardfibrose oberhalb des Medians eine kardiovaskuläre Sterberate von 26,5 Prozent, bei Patienten mit Fibrose-Werten unterhalb des Medians betrug sie nur zwei Prozent (p=0,0003).
  • Eine multivariate Analyse zeigte, dass eine Myokardfibrose oberhalb des Medians ein unabhängiger Vorhersageparameter für die kardiovaskuläre Sterberate ist (Hazard Ratio 27,4; 2,0 - 369; p = 0,01).
  • Die Menge an Myokardfibrose korrelierte mit dem Ausmaß dem linksventrikulären Remodelling und der klinischen Herzinsuffizienz. Ein Myokardfibrose-Anteil oberhalb des Medians ist unter anderem verbunden mit einer geringerenl inksventrikulären Auswurfleistung, einem größeren enddiastolischen linksventrikulärenVolumen, einer größeren linksventrikulären Masse sowie einer höheren NYHA-Klasse.

Klinische Bedeutung

Den Ergebnissen zufolge scheint der Zustand des Herzmuskels eine viel bedeutendere Rolle für das Überleben nach einem Klappenersatz zu spielen als bisher angenommen. „Mit diesen Ergebnissen sollte ein neuer therapeutischer Ansatz erwogen werden, um das Langzeitüberleben von Patienten nach TAVI zu verbessern. In der Vergangenheit scheinen wir der linken Herzkammer nach TAVI zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet zu haben. Bislang gibt es keine konkrete Behandlung der Myokardfibrose, daher sollten antifibrotische Medikationen unbedingt in zukünftigen Studien getestet werden“, so Professorin Dr. Miriam Puls, Erstautorin der Studie. „Die Ära der Katheter-basierten Herzklappenimplantation hat die Charakteristika der Aortenstenose-Patienten demografisch und klinisch stark verändert. Wir behandeln zunehmend ältere und kränkere Patienten. Jedoch lagen bislang keine Daten vor, die den Einfluss der Myokardfibrose auf die Ergebnisse des TAVI-Verfahrens auswerten und bewerten. Jetzt haben wir einen neuen therapeutischen Ansatzpunkt und werden umgehend eine Therapiestudie in Ergänzung zum Klappenersatz beginnen“, kommentiert Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Seniorautor der Studie.

Finanzierung: DFG