Tabakpflanze produziert Antikörper gegen HI-Virus

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Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien hat eine neue Methode zur Herstellung und Verbesserung von Breitband-Antikörpern gegen den HI-Virus vorgestellt. In der Strategie, die in "PNAS" vorgestellt wurde, spielen Tabakpflanzen eine zentrale Rolle.

Die Wissenschaftler widmeten sich in ihrer Arbeit dem Breitband-Antikörper PG9. In der Tierkultur lässt sich das Protein selbst, der Hauptbestandteil des Antikörpers, "produzieren, allerdings werden Protein-Veränderungen wie Zuckerreste und Sulfatgruppen nicht optimal synthetisiert. Diese Modifizierungen sind aber für die Wirksamkeit des Antikörpers essenziell", erklärt Studienautorin Herta Steinkellner.

Den Forschern ist es jetzt gelungen, einen nahen Verwandten der Tabakpflanze, Nicotiana benthamiana, gentechnisch so zu verändern, dass die Pflanze maßgeschneidert Sulfatgruppen und Zuckerketten an den Antikörper anheftet. So hergestellter PG9 war um ein Vielfaches aktiver als die aus der tierischen Zellkultur stammende Variante. Mit dieser Strategie war man bereits bei der Produktion von hochwirksamen Antikörpern gegen das Ebola-Virus erfolgreich.

Die Wissenschaftler waren überrascht, mit welcher Präzision diese Veränderungen am Antikörper, die sonst nur in menschlichen Zellen vorkommen, von den Pflanzen durchgeführt werden. Sie gehen davon aus, dass die nun gewonnenen Erkenntnisse über die Funktionsweise von PG9 dessen therapeutische Weiterentwicklung entscheidend beeinflussen wird.

Ob in diesem Falle die Antikörper-Produktion mittels Pflanzen jene in tierischen Zellen überholen wird, "kommt auf den gesellschaftlichen Druck an". Die Erfahrung mit Ebola habe gezeigt, dass "auf einmal ein enormer Druck und relativ viel Geld da war - und die Pflanze alle anderen Systeme überholt hat", so Steinkellner.