Tabak- und E-Zigaretten: Pneumologen fordern mehr Schutz von Kindern und Schwangeren

  • Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin sowie Deutsche Lungenstiftung

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Zum kommenden Weltnichtrauchertag (31. Mai 2019) fordern die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und die Deutsche Lungenstiftung (DLS), Kinder und Schwangere besser vor den schädlichen Einflüssen von Tabakrauch und E-Zigarettenaerosol zu schützen. Außer einem umfassenden Werbeverbot und dem Verbot, im Auto zu rauchen oder zu dampfen, fordern sie auch, werdende Eltern über die Gefahren der E-Zigarette aufzuklären.

Gefahren der E-Zigaretten werden unterschätzt

Laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts raucht jede zehnte Frau in Deutschland während der Schwangerschaft Zigaretten. „Da die E-Zigarette als Hilfsmittel zu sanften Ausstieg aus der Tabakabhängigkeit beworben wird, müssen wir annehmen, dass Schwangere, die das Rauchen aus eigener Kraft nicht aufgeben können, E-Zigaretten als Alternative nutzen, sagt Professor Robert Loddenkemper von der DGP. Diese Vermutung wird von einer US-amerikanischen Langzeitstudie bestätigt, an der über 3.000 Frauen teilnahmen, die währenddessen Mütter wurden. Sieben Prozent von ihnen gaben an, während der Schwangerschaft E-Zigaretten geraucht zu haben. Die Hälfte von ihnen nannte als Begründung, dass E-Zigaretten weniger schädlich für das Kind seien und zudem bei der Tabakentwöhnung helfen würden. Jede vierte Schwangere wusste nicht, dass ihre E-Zigarette Nikotin enthielt.

Schädliche Effekte werden verharmlost

Pneumologen halten diese Ergebnisse für besorgniserregend, wenngleich für Deutschland noch keine Zahlen erhoben wurden. „Die Studie zeigt, dass die Vermarktungsstrategie der Industrie aufgeht, die die schädlichen Effekte von E-Zigaretten verharmlost“, sagt Professor Stefan Andreas, der die Deutsche Lungenstiftung vertritt. Zwar seien die gesundheitlichen Langzeitfolgen der E-Zigarette nicht so gut untersucht wie die des Tabakkonsums. Als belegt gelte aber, dass Nikotin die embryonale Entwicklung störe: Zu den Folgen zählen Früh- oder Totgeburten, ein niedriges Geburtsgewicht und ein erhöhtes Asthmarisiko. Auch in nikotinfreien E-Zigaretten hätten Forscher Substanzen gefunden, die akute Entzündungen im Lungengewebe hervorrufen könnten. 

Mehr Aufklärung und umfassende Verbote 

Um werdende Mütter und ungeborene Kinder zu schützen, fordert die DGP deshalb eine bessere Aufklärung und Angebote, um rauchende Schwangere bei der Tabakentwöhnung zu unterstützen. „Der überwiegende Anteil der unabhängigen Studien konnte nicht zeigen, dass E-Zigaretten beim Rauchstopp helfen“, ergänzt Andreas. „Vielmehr wird deutlich, dass mit dem Umstieg auf E-Zigaretten eine neue Sucht geschaffen wird.“ Außerdem fordern DGP und DLS ein Rauchverbot in geschlossenen Räumen und Autos. Denn schon das Rauchen einer Zigarette oder E-Zigarette führe zu einer hohen Konzentration verschiedener Schadstoffe wie Feinstäube, Nikotin, Propylenglykol und Aceton, die bei Kindern chronische Erkrankungen der Atemwege verursachen könnten. Auf die Gefahren der E-Zigaretten und Tabakvaporizer haben kürzlich auch Kinder- und Jugendärzte sowie Umweltmediziner hingewiesen. Der Konsum von E-Zigaretten und neueren Tabakverdampfern könne der Einstieg in den Konsum konventioneller Tabakprodukte sein. Ein Risiko für Krebserkrankungen und chronischen Lungenschäden könne nicht sicher genug ausgeschlossen werden, da Langzeit-Studien fehlten, hieß es in einer Mitteilung.