Systemischer Lupus erythematodes: JAK1/2-Inhibition als neue, wirksame Strategie


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei schwerem systemischen Lupus erythematodes (SLE), der sich vor allem an der Haut und extrakutan an den Gelenken manifestiert, reduziert eine medikamentöse Hemmung der Tyrosinkinasen JAK1 und JAK2 mit Baricitinib die Krankheitszeichen und Beschwerden der Patienten deutlich im Vergleich mit Placebo.

Hintergrund

Der Lupus erythematodes ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung aus der Gruppe der Kollagenosen. Patienten bilden Autoantikörper gegen Zellkernbestandteile, die zu einer entzündlichen Schädigung des Gefäßbindegewebes führen. JAK-Tyrosinkinasen sind an Signalwegen von proinflammatorischen Zytokinen beteiligt, darunter Interleukin (IL) 6, IL12 und IL23. Der selektive JAK1/2-Inhibitor Baricitinib hemmt die Aktivität dieser Tyrosinkinasen reversibel. Auf den Wirkmechanismus wird seine therapeutische Effektivität bei rheumatoider Arthritis zurückgeführt geschrieben – die Rationale dafür, Baricitinib auch bei SLE zu prüfen.

Design

  • multizentrische, placebokontrollierte, prospektiv randomisierte doppelblinde Phase-2-Studie.
  • Teilnehmer: 314 erwachsene Patienten mit SLE, diagnostiziert nach Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) oder der Systemic Lupus Erythematodes International Collaboration Clinics (SLICC) Classification.
  • SLE-Manifestationsformen: zu jeweils fast 90 % an Haut und Schleimhäuten und an Gelenken (RA).
  • Patienten positiv für Antikörper gegen Doppelstrang-DNA (Anti-dsDNA-AK).
  • Standardmedikation: steroidale oder nicht steroidale antiinflammatorische Substanzen oder Anti-Malariamittel.
  • Randomisierung in drei Behandlungsgruppen (1:1:1): zusätzlich zur Standardmedikation Baricitinib 2 mg täglich, Baricitinib 4 mg täglich oder Placebo.
  • primärer Endpunkt: Anteil der Patienten, bei denen sich innerhalb von 24 Wochen Arthritis und Schmetterlingserytheme zurückbildeten.

Hauptergebnisse
Den primären Endpunkt, eine Rückbildung der Symptome an Haut und dem muskuloskelettalen System, erreichten in 24 Wochen 53 % unter Placebo, 58 % unter Baricitinib 2 mg und 67 % unter Baricitinib 4 mg. Der Unterschied zwischen der Gruppe mit höher dosiertem Baricitinib (4 mg) und dem Placebo-Arm war signifikant (p = 0,0414), nicht aber zwischen Baricitinib 2 mg und Placebo (p = 0,39). Der JAK1/2-Inhibitor wurde gut vertragen: Höhergradige unerwünschte Effekte wie Infektionen traten bei jeweils 10 % der Patienten in den TKI-Gruppen auf und bei 5 % im Placeboarm. Es gab keine therapieassoziierten Todesfälle.

Klinische Bedeutung
Diese größere, prospektiv randomisierte Phase-2-Studie, an der sich deutsche Zentren beteiligt haben, belegt nach Angaben der Autoren, dass der JAK1/2-Inhibitor Baricitinib die Symptomatik der SLE signifikant verbessern kann bei Patienten, deren Krankheitszeichen sich durch eine Standardmedikation nicht adäquat kontrollieren lassen. Das Sicherheitsprofil entspreche dem aus Studien und der Anwendung von Baricitinib in anderen Indikationen wie der RA. Phase-3-Studien sollten nun folgen.

Finanzierung: Eli Lilly Company