Syphilis in Deutschland im Jahr 2018

  • Robert Koch-Institut

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Der seit 2010 beobachtete Anstieg von Syphilis-Fällen in Deutschland setzte sich im Jahr 2018 zum ersten Mal nicht weiter fort, sondern stagnierte auf hohem Niveau. Nach wie vor wurden Syphilis-Infektionen vorwiegend bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) diagnostiziert, zudem sind Ballungszentren besonders betroffen. Im Epidemiologischen Bulletin 50/2019 des Robert Koch-Instituts (RKI) wird ausgeführt, dass das anhaltend hohe Niveau an gemeldeten Syphilis-Infektionen zeigt, wie wichtig eine schnelle Diagnose und Behandlung von Syphilis-Infektionen ist, um Infektionsketten möglichst frühzeitig zu unterbrechen.

Hintergrund

Die Syphilis ist eine bakterielle, durch Treponema pallidum verursachte Erkrankung, die nur beim Menschen vorkommt und sexuell, durch Blut und intrauterin von der Mutter auf das Kind übertragbar ist. Sie verläuft typischerweise in 3 Stadien: Ein sogenannter Primäraffekt bildet sich wenige Tage bis Wochen nach der Infektion. Im Sekundärstadium macht sich die Erkrankung durch Allgemeinsymptome und Hauterscheinungen bemerkbar und im Tertiärstadium kann es zur Schädigung des Gehirns und der Blutgefäße kommen. Die Infektion kann durch Antibiotika geheilt werden; wiederholte Infektionen sind möglich.

Syphilis in Deutschland ab 2001

Seit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) am 1. Januar 2001 werden neu diagnostizierte, behandlungsbedürftige Syphilis-Infektionen nach § 7 Abs. 3 nichtnamentlich an das RKI gemeldet. Nach der Einführung einer Labormeldepflicht stieg die Zahl der gemeldeten Infektionen in Deutschland zwischen den Jahren 2001 und 2004 zunächst an, wobei sich dieser Anstieg auf Männer beschränkte. Zwischen den Jahren 2004 und 2008 stabilisierten sich die Meldezahlen auf 3.000 und 3.500 Erkrankte pro Jahr. Im Jahr 2009 sank die Anzahl der gemeldeten Syphilis-Fälle, seit 2010 stieg sie kontinuierlich an.

Syphilis in Deutschland im Jahr 2018

Im Jahr 2018 wurden dem RKI 7.332 Syphilis-Fälle gemeldet, 192 (2,6 %) weniger als im Vorjahr. Damit setzt sich der seit 2010 beobachtbare Anstieg der Fallzahlen bei Männern zum ersten Mal nicht weiter fort.

Bundesweit lag die Syphilis-Inzidenz im Jahr 2018 mit 8,8 Fällen pro 100.000 Einwohner über dem Median der 5 Vorjahre (8,2) und leicht unter der Inzidenz des Vorjahres.

Der Frauenanteil der gemeldeten Syphilis-Fälle lag im Jahr 2018 bei 6,1 % und damit unverändert zu den Vorjahren. Damit unterschied sich die Syphilis-Inzidenz erheblich zwischen den Geschlechtern und lag bei Männern mit 17,2 Fällen pro 100.000 Einwohner um das 16-fache höher als bei Frauen mit 1,1 Fällen.

Angaben zum Infektionsrisiko lagen 2018 für 77,3 % der Meldungen vor, hiervon 4.797 Meldungen von MSM, 856 Meldungen mit Angabe eines heterosexuellen Transmissionsrisikos sowie 3 Meldungen mit Bericht einer konnatalen Syphilis.

95,6% aller Syphilis-Diagnosen von MSM mit Angaben zum Infektionsland wurden im Jahr 2018 in Deutschland erworben. Weitere häufige Infektionsländer waren Spanien (0,9%) und Brasilien (0,2%).

Epidemiologische Entwicklung von Syphilis in Deutschland

Die aktuelle epidemiologische Lage der Syphilis in Deutschland ähnelt der Situation in anderen westeuropäischen Staaten.

Die seit 2016 auf dem Syphilis-Meldebogen erhobenen Daten zu sexuell übertragbaren Infektionen (STI)-Koinfektionen zeigten, dass annähernd die Hälfte aller Syphilis-Diagnosen von MSM bei Personen mit HIV-Koinfektion gestellt wurde.

Durchführung von Schnelltesten auf Syphilis (und HIV) seien ein wichtiger Schritt um Therapiemaßnahmen einleiten zu können.

Ein Rückgang von Syphilis-Fällen könnte durch den Einsatz von Doxycyclin als STI-Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) für Personen mit hohem sexuellem Risikoverhalten erreicht werden. Leider liegen zum Einsatz einer Doxycyclin-basierten PrEP in Deutschland bisher keine belastbaren Daten vor, so dass entsprechende Effekte aktuell nicht evaluiert werden können.

Finanzierung: Robert Koch-Institut.