Synkopen-Diagnostik: Kardiologen-Gesellschaft moniert Geldverschwendung


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen und Synkopen gebe es in Deutschland eine Versorgungslücke, kritisiert erneut die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie-, Herz- und Kreislaufforschung (DGK).  So könnten implantierbare Ereignisrekorder derzeit bei gesetzlich versicherten Patienten aufgrund mangelnder Vergütung nicht leitliniengerecht angewendet werden. 

Synkopen-Diagnostik ohne Ereignisrekorder laut DGK ineffektiv

Synkopen sind ein häufig auftretendes Problem. In dem meisten Fällen handelt es sich um harmlose sogenannte Reflexsynkopen oder vasovagale Synkopen. „Davon abzugrenzen – und das macht die Diagnostik kompliziert – sind Synkopen, die durch kardiale Erkrankungen entstehen, allen voran durch bradykarde oder tachykarde Rhythmusstörungen“, sagt Prof. Dr. Wolfgang von Scheidt, der federführende Autor des deutschen Kommentars zu der europäischen Leitlinie „Diagnostik und Management von Synkopen“. „Die Ursachen können für den Patienten lebensgefährlich sein. Die Synkope von heute kann der plötzliche Herztod von morgen sein.“ Ereignisrekorder sind laut der Fachgesellschaft für eine effektive Diagnostik von Synkopen unerlässlich

Langzeit-EKG bei Synkopen durch Arrhythmien unzureichend

Patienten, bei denen die Ursache für ihre wiederkehrenden Ohnmachten in einer Störung des Herzrhythmus vermutet wird, erhalten ein Langzeit-EKG. Da ein Langzeit-EKG aber nur bei vier Prozent der Patienten ein Ergebnis erfasst, empfiehlt die Leitlinie, es nur bei Patienten anzuwenden, die häufiger als einmal pro Woche eine Synkope erleiden. Dies ist allerdings nur bei dem geringsten Teil der Betroffenen der Fall. Das international etablierte diagnostische Verfahren zum Nachweis der bei Synkopen zugrundeliegenden Rhythmusstörungen ist der implantierbare Ereignisrekorder. Es handelt sich hierbei um einen kleinen Chip, der innerhalb weniger Minuten unter die Haut implantiert werden kann und über drei Jahre hinweg den Herzrhythmus aufzeichnet. „Sollte also Wochen oder Monate nach der Implantation die nächste Ohnmacht auftreten, kann der Ereignisrekorder ausgelesen werden und offenbart den Herzrhythmus zum Zeitpunkt der Synkope“, erklärt von Scheidt. 

Ereignisrekorder zur Diagnostik von Vorhofflimmern 

Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet des Ereignisrekorders ist der kryptogene Schlaganfall. Bei rund einem Drittel der Schlaganfall-Patienten wird keine Grundkrankheit entdeckt, die erklären könnte, warum es zum Schlaganfall gekommen ist. Schon 2014 habe eine Studie gezeigt, dass bei einem größeren Teil der Patienten mit solchen so genannten kryptogenen Schlaganfällen paroxsysmales Vorhofflimmern auftritt, als zuvor angenommen.

Mangelnde Vergütung von Implantation und Nachsorge 

Obwohl der klinische Nutzen der Detektion von selten und unregelmäßig auftretenden Herzrhythmusstörungen mit implantierten Ereignisrekordern durch zahlreiche Studien und Metaanalysen belegt sei, bestehe „eine von ärztlicher und Patientenseite unerträgliche Situation“, wie die DGK bereits im Januar dieses Jahres in einer Stellungnahme kritisiert hat. „Leider wird die Implantation eines Ereignisrekorders bisher von den Krankenkassen als letzter Schritt in der Diagnostik angesehen, obwohl man schon sehr schnell an dem Scheideweg in der Diagnostik angekommen ist, in der er gewinnbringend eingesetzt werden kann“, stellt von Scheidt hinsichtlich der Abklärung von Synkopen fest. „In der Realität muss, damit die Implantation vergütet wird, eine lange Diagnostik-Kaskade vorweggehen, die bei weiten Teilen dieser Patienten unnötig ist, beispielsweise neurologische Untersuchungen.“ Er resümiert: „Die Vorgaben der Krankenkassen widersprechen der Leitlinienempfehlung.“ Prof. Dr. Thomas Deneke, Sprecher der Arbeitsgruppe Rhythmologie der DGK, bestätigt: „Es wird in der Synkopendiagnostik sehr viel Geld für Maßnahmen ausgegeben, die unnütz sind. Dieses Geld sollte man eher in die Versorgung mit Ereignisrekordern stecken.“ Doch nicht nur die Vergütung der Implantation ist nach Angaben der Kardiologen unzureichend. „Die Nachsorge können wir derzeit überhaupt nicht abrechnen“, so Deneke.