Synergieeffekte von Achtsamkeitsmeditation und Psilocybin

  • Scientific Reports

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

  • Achtsamkeitsmeditation kann die positiven Effekte von Psilocybin, in denen einige Wissenschaftler ein therapeutisches Potenzial etwa für die Behandlung von Depressionen sehen, verstärken. Mögliche negative Wirkungen federt die Achtsamkeitsmeditation ab.
  • Umgekehrt verstärkt Psilocybin die Tiefe der Meditation.
  • Der Effekt war nicht nur vorübergehend: Vier Monate später zeigten Meditierende, die eine Einzeldosis Psilocybin bekommen hatten, ein positiveres psychosoziales Verhalten, eine bessere Selbstakzeptanz und mehr Empathie als die Kontrollgruppe.

Psychedelika und Meditation für weniger Selbstfokussierung

Psychedelika erfreuen sich eines wachsenden wissenschaftlichen Interesses. Im Zentrum steht dabei Insbesondere ihr therapeutisches Potenzial bei der Behandlung von Depressionen und Angststörungen. Stoffe wie LSD oder Psilocybin, eine psychoaktive Substanz aus Pilzen, verändern die Wahrnehmung: Die Grenzen des Selbst lösen sich gefühlt auf, man empfindet sich als verbunden mit der Welt und den Mitmenschen, was letztlich zu einer verminderten Selbstfokussierung führen kann. Eine überhöhte Selbstzentrierung zählt zu den charakteristischen Merkmalen einer Depression.

Auch verschiedene Meditationstechniken vermögen die Selbstfokussierung zu reduzieren. Wissenschaftler der Universität Zürich haben nun untersucht, ob Achtsamkeitsmeditation und Psilocybin sich in ihrer Wirkung gegenseitig zu verstärken vermögen (1). Sie teilten meditationserfahrene Teilnehmer (n=39) eines fünftägigen Achtsamkeitsretreats in zwei Gruppen ein. Am vierten Tag erhielt ein Teil der Probanden im Doppelblind-Verfahren eine Einzeldosis Psilocybin, der andere Teil ein Placebo.

Synergieeffekte mit Langzeitwirkung

Mithilfe verschiedener Methoden konnten die Wissenschaftler belegen, dass die Meditation die positiven Effekte des Psilocybin steigerte, und gleichzeitig möglichen negativen Wirkungen, wie das Auslösen von Angstzuständem entgegenwirkte. Neben der Meditationstiefe begünstigten die Offenheit und der Optimismus der Meditierenden eine positive Reaktion auf das Psilocybin. Fähigkeiten, die in der Achtsamkeitsmeditation geübt werden, scheinen zudem mögliche negative Reaktionen auf die Substanz abzufedern. Gleichzeitig verstärkte das Psilocybin aber auch die Wirkung der Achtsamkeitsmeditation. «Das Psilocybin steigerte die Meditationstiefe und die Intensität der positiv empfundenen Selbsttranszendenz-Erfahrung, ohne dass negative Reaktionen wie Angst oder Orientierungslosigkeit auftraten», sagt Erstautor Lukasz Smigielski,

Interessanterweise war dies kein vorübergehender Effekt. Noch vier Monate später zeigten die Probanden der Psylocibin-Gruppe ein positiveres psychosoziales Verhalten, eine bessere Selbstakzeptanz und mehr Empathie als die Kontrollgruppe. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Selbsttranszendenz-Erfahrung, also die Auflösung der eigenen Grenzen zugunsten der Verbundenheit, der Schlüssel zum Langzeiteffekt ist. Dies lässt sich auch auf neuronaler Ebene nachvollziehen, wie die Züricher Wissenschaftler bereits in einer früheren Studie gezeigt haben. Mit Hilfe der Magnetresonanztomografie hatten sie nachgewiesen, dass Selbsttranszendenz-Erfahrungen neuronale Verbindungen im Gehirn nachhaltig verändern – in den Hirnregionen, die aktiv sind, wenn wir über uns selbst nachdenken (2).

«Unsere Ergebnisse beleuchten die Wechselwirkungen zwischen pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Faktoren beim Erleben psychedelischer Zustände», fasst Studienleiter Franz Vollenweider zusammen. «Sie deuten darauf hin, dass Achtsamkeitstraining die positive Wirkung einer Einzeldosis Psilocybin verstärkt, und zu mehr Empathie und einer dauerhaften Verringerung egozentrischer Züge führen kann. Damit eröffnen sich neue therapeutische Perspektiven, etwa zur Behandlung von Depressionen, die oft mit einer starken Selbstfokussierung und sozialen Defiziten einhergehen.»