Suizidraten bei HIV-Patienten gehen in der Schweiz zurück


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussagen

  • In der Schweiz sind die Selbstmordraten unter HIV-Patienten zwischen 1988 und 2017 stark zurückgegangen.

  • Der Rückgang der Suizidrate lässt sich zeitlich mit der Einführung der antiretroviralen Therapie (cART) assoziieren.

  • Dennoch begehen dreimal mehr HIV-Positive Suizid als in der Allgemeinbevölkerung.

 

Hintergrund

HIV-positive leiden häufig unter Depressionen, Angststörungen und anderen psychischen Problemen. Insbesondere vor Einführung der cART berichteten einige Studien davon, dass HIV-Infektionen mit einer erhöhten Suizidrate assoziiert sind. Eine Studie aus dem Jahr 2013 beziffert den Anteil der Selbsttötungen auf 6% aller Todesfälle bei Menschen mit HIV. Die vorliegende Studie untersucht, wie sich die Suizidrate unter HIV-Positiven in der Schweiz seit Einführung der cART entwickelt hat und welche Risikofaktoren eine Rolle spielen.

 

Studiendesign

Ausgewertet wurden Daten der Swiss HIV Cohort Study aus der Zeit vor Einführung der cART (1988–1995), der frühen Phase seit Einführung der cART (1996-2008 ) und der späteren Phase seit cART.

 

Hauptergebnisse

  • Eingeschlossen wurden 20.136 Personen, von denen 204 Personen (1,0%) Suizid begangen hatten.

  • Insgesamt ging die Suizidrate im Untersuchungszeitraum deutlich zurück. Sie ist jedoch noch immer ungefähr dreimal höher als in der Allgemeinbevölkerung.

  • Bei Männern ging die standardisierte Sterblichkeitsrate durch Selbsttötung von 12,9 (95% CI 10,4–16,0) in der Zeit vor Einführung der cART auf 2,4 (95% CI 1,2–5,1) in der frühen Phase nach Einführung der cART zurück und lag in der späteren Phase nach cART bei 3,1 (95% CI 2,3–4,3).

  • Bei Frauen ging die standardisierte Sterblichkeitsrate durch Suizid von 14,2 (95% CI 7,9–25,7) in der Zeit vor Einführung der cART zunächst auf to 10.2 (95% CI 3,8–27,1) in der frühen Phase nach Einführung der cART und schließlich auf 3.3 (95% CI 1,5–7,4) in der späteren Phase der cART zurück.

  • Als Risikofaktoren wurden das Geschlecht, die Nationalität, Substanzmissbrauch und Immunstatus ermittelt. Unter den Teilnehmern der Swiss HIV Cohort Study waren HIV-Positive, die Selbstmord begangen hatten, mit erhöhter Wahrscheinlichkeit männlich, schweizerischer Abstammung, hatten intravenös Drogen injiziert und eine niedrigere CD4-Zellzahl als Patienten, die keinen Suizid begangen hatten.

  • Nach Einführung der cART begingen eher Betroffene im fortgeschrittenen Krankheitsstadium Suizid sowie solche, die sich in psychiatrischer Behandlung befanden. Beides galt nicht vor Einführung der cART.

 

Klinische Bedeutung

Die standardisierte Sterblichkeitsrate war unter HIV-Positiven in der Schweiz höher als aufgrund der bisherigen Studienlage angenommen. Sowohl in die Schweiz als auch in anderen Ländern ist es entscheidend, künftig Depressionen und Suizide zu überwachen sowie spezielle Programme zur Suizidprävention bei HIV-Positiven zu entwickeln.

 

Finanzierung

Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung