Süßer Orangensaft zu den Mahlzeiten keine Gefahr für die Taille


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Der regelmäßige Genuss von Orangensaft kann nach Angaben von Ernährungswissenschaftlern den Harnsäure-Spiegel senken und so möglicherweise Gicht entgegenwirken. Zu den Mahlzeiten genossen bewirke Fruchtsaft auch keine Gewichtszunahme.

Hintergrund

Zucker-Konzerne haben Philip Morris & Co. als Buhmänner abgelöst. Zucker ist nun das neue Nikotin. Er mache dick, fördere Diabetes, Gicht, Krebs und Demenz, heißt es vielfach. Am Pranger stehen insbesondere zuckerhaltige Getränke. Betroffen sind nicht nur gezuckerte Limonaden, sondern auch Fruchtsäfte. Noch vor wenigen Jahren galten Fruchtsäfte als gesund, heute sind sie aus manchen Kindergärten und Grundschulen verbannt. Der Grund: ihr hoher Gesamtzuckergehalt, der durchaus mit dem vieler Limonaden Schritt halten kann. Bei einigen Ernährungswissenschaftlern gelten sie daher als ebenso ungesund wie zuckerhaltige Cola-Getränke. Ob das gerechtfertigt ist, haben nun Wissenschaftler der Universitäten Kiel und Hohenheim in Stuttgart in zwei Humanstudien untersucht. 

Design

Professor Reinhold Carle von der Universität Hohenheim und Professorin Anja Bosy-Westphal von der Universität in Kiel führten dazu zwei Humanstudien durch, bei der 26 junge, gesunde Probandinnen und Probanden 20 Prozent ihres täglichen Energiebedarfs über zwei Wochen entweder mit koffeinfreier Cola oder mit Orangensaft deckten. „Bei dem Saft waren das bei den meisten Probanden rund 1,2 Liter, bei Cola etwa ein Liter täglich“, erklärt Carle in einer Mitteilung der Universitäten. Im Sinne einer Cross-over-Studie gab es für die Teilnehmenden nach den ersten 14 Tagen eine Auswaschungsphase von einer Woche, dann stiegen die Orangensaft-Trinker auf Cola um und umgekehrt. Bei dem Saft handelte es sich um 100-prozentigen Orangensaft mit 43 kcal/100 ml und 8,9 Gramm Zucker  (3,2 g Sukrose, 2,7 g Glukose und 3,0 g Fruktose) pro 100 ml.

Hauptergebnisse

In der ersten Studie stand die Frage im Mittelpunkt, wie Cola bzw. Orangensaft die Harnsäure beeinflusst. Das Ergebnis: „Auch bei diesem sehr hohen Konsum führte Orangensaft im Unterschied zu Cola zu keiner Beeinträchtigung des Glukosestoffwechsels, und der Harnsäure-Spiegel wurde sogar signifikant gesenkt,“ erläutert die Ernährungsmedizinerin Bosy-Westphal. Innerhalb von zwei Wochen sank der Spiegel um 0,43 mg/dl  (± 0,56 mg/dl; p 

Bei der zweiten Studie deckten die Probanden ebenfalls 20 Prozent ihres täglichen Energiebedarfs über Orangensaft – doch diesmal konsumierten sie zunächst zwei Wochen lang dreimal täglich 400 ml Orangensaft zu den drei Mahlzeiten, das andere Mal nahmen sie den Saft zwischen den Mahlzeiten zu sich.

„Wir konnten zeigen, dass auch dieser sehr hohe Konsum keine negativen Auswirkungen auf das Körpergewicht hatte – wenn der Saft nicht zwischendurch, sondern zum Frühstück, Mittag- und Abendessen getrunken wurde“, berichtet Bosy-Westphal. „Zum Essen getrunken verringert der Saft die spontane Energieaufnahme mit der Mahlzeit entsprechend und passt sie an.“ Bei einem Konsum zwischen den Mahlzeiten konnten die Wissenschaftler dagegen einen Anstieg des Körperfetts verzeichnen.

Klinische Bedeutung

Die Ernährungswissenschaftler empfehlen ein Glas Fruchtsaft pro Tag, da dieser von Natur aus nicht nur Zucker, sondern auch Vitamine, Polyphenole, Mineral- und Ballaststoffe enthalte. Fruchtsaft könne in der üblichen Verzehrmenge nicht nur bedenkenlos konsumiert, sondern als wertvolle Ergänzung zu einer Mahlzeit betrachtet werden. Die Wissenschaftler betonen allerdings, dass den Daten zufolge Fruchtsäfte nicht zwischen den Mahlzeiten getrunken werden sollten. Nun seien noch weitere Studien mit übergewichtigen und älteren Probanden notwendig, um zum Beispiel Effekte auf Parameter wie Leberfett und Insulinresistenz zu klären. 

Finanzierung der Studien: teilweise durch die Baumann-Gonser-Stiftung und durch die Universität von Hohenheim