Subklinische Hypothyreose: Internationales Gremium kritisiert Substitution

  • British Medical Journal

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit subklinischer Hypothyreose sollte nicht routinemäßig Schilddrüsen-Hormon substituiert werden, empfiehlt ein internationales Gremium aus Ärzten, Patienten und Leitlinien-Spezialisten im britischen Ärzteblatt. Kaum ein Patient profitiere von der Substitution. Außerdem seien bei Langzeit-Substitution Gesundheitsschäden nicht sicher genug auszuschließen, so die Autoren um Dr. Geertruida E. Bekkering (KU Leuven).

Vor allem ältere Menschen betroffen

Von einer subklinischen Hypothyreose wird gesprochen, wenn das TSH erhöht ist, das freie T4 jedoch im Normbereich liegt. Als erhöht gilt ein TSH-Wert in der Regel, wenn er über 4,0 mlU/L liegt. Rund 90 Prozent der Patienten mit subklinischer Hypothyreose haben TSH-Werte von 4 bis 10 mlU/L, bei alten Menschen kann ein leichter Anstieg normal sein. Betroffen sollen rund fünf Prozent der Erwachsenen sein; mit zehn bis 15 Prozent soll der Anteil bei alten Menschen deutlich größer sein. Für Deutschland liegen laut der SK2-Leitlinie „Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis“ keine repräsentativen Daten zur Häufigkeit erhöhter TSH-Werte sowie zur Prävalenz einer Hypothyreose in der erwachsenen Bevölkerung vor.

Leitlinien: Substitution bei TSH-Werten über 10 mlU/L

Eine Hormon-Substitution bei subklinischer Hypothyreose ist laut den meisten Leitlinien (in Abhängigkeit vom Alter der Patienten) bei TSH-Werten über 10 mlU/L indiziert. Nach Angaben der Autoren um Geertruida E. Bekkering erhalten jedoch zunehmend auch Patienten mit subklinischer Hypothyreose Thyroxin, deren TSH-Wert unter 10 mlU/L liegt. Entsprechende Daten gebe es zum Beispiel aus Großbritannien und Norwegen. Für eine routinemäßige Substitution gebe es jedoch keine wissenschaftlichen Nutzenbelege.

Die Autoren begründen ihre Aussage hauptsächlich mit den Ergebnissen einer 2018 publizierten Metaanalyse von 21 Studien mit insgesamt 2192 Patienten. Der Analyse zufolge profitieren erwachsene Patienten nicht von einer Hormon-Substitution. Symptome, die in einem Zusammenhang mit Störungen der Schilddrüsenfunktion stehen können, werden nicht relevant beeinflusst, so etwa depressive Verstimmungen, Fatigue und BMI. Auch die Lebensqualität wird nicht verbessert. Eine der wichtigsten Studien, die bei der Metaanalyse berücksichtigt wurden, war die 2017 publizierte TRUST-Studie. Sie hatte ergeben, dass ältere Patienten mit subklinischer Hypothyreose nicht von einer Substitution profitieren. Die Mitglieder des Gremiums sprechen sich daher strikt gegen eine routinemäßige Substitution bei Patienten mit subklinischer Hypothyreose aus. Sie betonen allerdings zugleich, dass diese Empfehlungen nicht für Frauen gelten, die schwanger werden wollen, ebenso nicht für Patienten mit TSH-Werten über 20 mIU/l und möglicherweise auch nicht für Patienten mit starken Symptomen oder für junge Erwachsene (≤30 Jahre).

Hausarztleitlinie empfiehlt individuelle Entscheidung

Laut den Autoren der SK2-Leitlinie „Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis“ (Stand Juni 2016) sollte die Indikation zur Hormonsubstitution bei latenter Hypothyreose individuell entschieden werden. Bei einem asymptomatischen Patient mit leicht erhöhtem TSH (≤ 10) sei keine Substitution indiziert. Eine Substitution sollte bei latenter Hypothyreose eingeleitet werden, wenn der TSH-Wert über 10 liege oder der Patient dies nach umfassender Aufklärung wünsche. Auch wenn keine ausreichende Evidenz zur substitutionsbedingten Verbesserung psychischer Symptome vorliege, könnten „manche Patienten bezüglich Wohlbefinden, besserer Leistungsfähigkeit und Stimmungsaufhellung von niedrigdosierten Levothyroxingaben profitieren“.

Finanzierung: Keine