Subklinische Atherosklerose durch Cannabis nur bei Tabakrauchern


  • Thomas Kron
  • HCV News
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Kernbotschaften

Cannabis-Konsum fördert vermutlich die Entwicklung einer subklinischen Atherosklerose, allerdings nur bei Tabakarauchern oder möglicherweise auch bei sehr starkem Cannabis-Konsum.

Hintergrund

Seit der Legalisierung von Cannabis für den medizinischen Gebrauch ist die Frage nach der Sicherheit der Droge noch einmal  wichtiger geworden. Im Fokus - auch der klinischen Forschung - stehen meist neurologische und psychiatrische Wirkungen. Weniger Erkenntnisse gibt es zu den Wirkungen von Cannabis auf Herz und Gefäße. Cannabis wird oft auch zusammen mit Tabak-Produkten konsumiert. Dass Tabakrauchen die Bildung von Koronarplaques fördert und dadurch das Herzinfarktrisiko erhöht, ist bekannt. Noch nicht geklärt war bislang, ob Cannabis-Konsum dieselbe Wirkung hat. In einer Langzeitstudie über 25 Jahre hat dies nun ein Team unter der Leitung von Professor Reto Auer vom Berner Institut für Hausarztmedizin (BIHAM) untersucht.

Design

Ausgewertet wurden Daten der US-Kohortenstudie CARDIA (Coronary Artery Risk Development in Young Adults), an der Männer und Frauen teilnahmen, die 1985 und 1986 zwischen 18 und 30 Jahre alt waren. Diese Studie untersucht die Entwicklung von Atherosklerose und deren Risikofaktoren bei jungen Erwachsenen. Die Beobachtungsdauer betrug 25 Jahre. Für die aktuelle Analyse wurden die Befunde von 3.498 CARDIA-Teilnehmern mittleren Alters berücksichtigt, die in ihrem Umfeld eine typische Cannabis- und Tabakexposition hatten und bei denen über 25 Jahre hinweg der Tabak- und Cannabiskonsum erhoben wurde. Im 25. Jahr wurde computertomographisch das Calcium in den Herz- und Baucharterien gemessen. 

Hauptergebnisse

Von den 3.498 untersuchten Probanden hatten 89 Prozent eine Computertomographie. Bei 60 Prozent von ihnen hatten sich Plaques gebildet. Von diesen 3.117 Teilnehmern mit Plaques berichteten 84 Prozent über Cannabiskonsum, aber nur sechs Prozent konsumierten täglich. Im Gegensatz dazu rauchten 49 Prozent täglich Tabak.

Wie die Wissenschaftler erwarteten, gab es einen starken Zusammenhang zwischen der Tabakrauchexposition in der Vergangenheit und dem Plaque-Aufbau in den Herz- und Baucharterien. Bei denjenigen Cannabis-Konsumenten, die niemals Tabak geraucht hatten, war ein solcher Zusammenhang jedoch nicht nachweisbar. Nur bei Personen mit sehr hohem Cannabis-Konsum fanden die Forscher einen Trend zu einem erhöhten Risiko für Atherosklerose.

Klinische Bedeutung

 „Unsere Studie bestätigt die starke und konsistente Verbindung zwischen Tabakkonsum und der Bildung von Plaques“, erklärt Reto Auer in einer Mitteilung. Regelmässiger Cannabis-Konsum war jedoch nur dann schädlich für die Herzarterien, wenn Cannabis zusammen mit Tabak konsumiert wurde. „Wir konnten bereits in einer früheren Studie zeigen, dass Cannabis und Herzinfarkte nicht assoziiert sind“, sagt Ko-Autor Dr. Stephen Sidney, Principal Investigator der CARDIA-Studie. „Hingegen sehen wir deutlich die nachteiligen Effekte des Tabakkonsums – oder mit anderen Worten: die Begleiteffekte, wenn Cannabis mit Tabak konsumiert wird, sind nicht zu unterschätzen“, sagt Auer.

Die wissenschaftliche Daten zur Wirkung von Cannabis auf Herz und Gefäße sind aber weiterhin noch nicht ausreichend. Die bisherigen Studien-Daten ließen keine sicheren Aussagen zu den Effekten von Cannabis auf kardiovaskuläre Risikfaktoren und Komplikationen bzw. Erkrankungen zu, so die US-Autoren einer Metaanalyse, die vom National Heart, Lung, and Blood Institute in Bethesda finanziert wurde ( Annals of Internal Medicine“ ). Sicher dürfte allerdings sein, dass Cannabis-Konsumenten vom Tabakrauchen abgeraten werden sollte; dies gilt selbstverständlich nicht allein wegen des erhöhten Risikos für koronare Komplikationen, sondern auch wegen der Gefahr von Erkrankungen der Atemwege. 

Finanzierung der aktuellen Studie: National Institutes of Health