Study & Opinion: Hilfe für HIV-Infizierte in und aus der Ukraine über professionelle europäische Netzwerke

  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Ukraine hat eine HIV-Prävalenz von knapp 1,2 %, vergleichbar mit der von Russland, und sie gehört zu den am stärksten von HIV betroffenen Regionen Osteuropas. Ukrainische Ärzte haben gemeinsam mit europäischen Kolleginnen und Kollegen ein Rahmenprogramm für die HIV-Versorgung erstellt. Ziel ist es, die geringen medizinischen Ressourcen im Kriegsgebiet optimal einzusetzen, aber auch Binnenflüchtlinge oder ukrainische Bürger in Nachbar- und Drittländern rasch und adäquat zu behandeln. Es sind vor allem drei europäische Netzwerke mit Schwerpunkt HIV, über die sich Ärzte aus der Ukraine und aus anderen Ländern austauschen und Unterstützung holen können, auch bei der Versorgung mit Medikamenten.

Hintergrund
In der Ukraine leben circa 260.000 Menschen mit HIV. Davon wissen nur circa 69 % von ihrem HIV-Status; 150.000 erhalten eine antiretrovirale Behandlung (ART). Mit zunehmender Dauer des militärischen Konflikts in der Ukraine wird der Zugang zu einer ART schwieriger, aber auch zu Pharmaka der HIV-Infektionsprophylaxe wie PrEP oder Methadon für Suchtpatienten. Die Weltgesundheitsorganisation befürchtet eine stärkere Ausbreitung von HIV. Zugleich ist mehr als ein Viertel der Bevölkerung bereits aus dem Land geflohen. Tausende, die in Nachbar- oder Drittländern ankommen, sind vermutlich HIV-infiziert und müssen versorgt werden (1).

Design

  • Sichtung der internationalen Literatur zur Epidemiologie von HIV in der Ukraine und zur Versorgung von HIV-Patienten
  • weitere Informationen durch UNAIDS und Nicht-Regierungs-Organisationen wie „All-Ukrainian Network of PLHIV 100%Life”, dem größten Netzwerk von Menschen mit HIV in der Ukraine (2)

Hauptergebnisse
Das internationale Expertenteam beschreibt vier Phasen der Unterstützung bei der HIV-Prävention und Patientenversorgung:

  • Sofortaktivitäten
  • dringende Maßnahmen
  • konsolidierende Unterstützung und eine
  • Phase des Wiederaufbaus von Strukturen zur HIV-Versorgung nach dem Krieg.

Zu den Zielen der Sofortmaßnahmen gehören:

  • die ART bei HIV-Infizierten sicherstellen und Patienten mit Aids medizinisch versorgen
  • Komorbiditäten behandeln, Infektionen kontrollieren und Resistenzen verhindern, Schwangere testen und beraten und die vertikale Transmission stoppen
  • bei Arzneimittelengpässen über ärztlich vertretbare Triage entscheiden

Professionelle Netzwerke bieten praktische Untersützung bei

  • zuverlässiger Kommunikation, zum Beispiel über offene Transportwege für Medikamente
  • der Beratung in schwierigen Situationen wie möglicher sexueller Gewalt
  • Diagnostik und Monitoring durch mobile Teams
  • der Verfügbarkeit von Diagnostik, Arzneimitteln für die Therapie von Komorbiditäten wie der Tuberkulose, Medikationen für die Prä- und Postexpositionsprophylaxe und von Impfstoffen

Die drei professionellen Netzwerke, in denen auch deutsche Ärzte mitarbeiten, sind:

Klinische Bedeutung
Ärztenetzwerke sind ein wesentlicher Eckpfeiler, um die akute Versorgung von Patienten in Kriegsgebieten wie aktuell der Ukraine aufrechtzuerhalten. Sie helfen nicht nur bei der Kommunikation und mit professioneller Expertise, sondern können über ihre Infrastrukturen auch finanzielle Unterstützung und die Hilfe von Medikamentenherstellern oder mobilen Teams vermitteln, so die Autoren. Professionelle Netzwerke seien essenziell, um die Ausbreitung des Virus durch die aktuelle Kriegssituation zu verhindern.
 

Finanzierung: keine Angaben