Studie zur Qualität der Leichenschau bekräftigt die große Bedeutung der Autopsie


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei fraglich iatrogenen Todesfällen im Krankenhaus stimmen klinische Diagnose und Postmortem-Diagnose in einem Großteil der Fälle nicht überein. Nur in einem Drittel der Todesfälle wurde klinisch die todesursächliche Komplikation erkannt. Obduktionen sind weiterhin von großer Bedeutung, unter Umständen auch aus juristischen Gründen.

Hintergrund

Bei der ärztlichen Leichenschau und dem Ausfüllen der Todesbescheinigung kommt es immer wieder zu Fehlern - ein in Deutschland bekanntes Problem, das  seit Jahren von Pathologen, Rechtsmedizinern und Kriminalisten kritisiert wird. Nur in Bremen und Frankfurt am Main gibt es erste Ansätze, das Leichenschauwesen so zu ändern, dass die Qualität besser wird. Unabhängig davon zeigen alle Untersuchungen, dass Leichenschau- und Sektionsdiagnose häufig nicht übereinstimmen. Ziel dieser Arbeit war laut den Autoren u. a. die Untersuchung der Übereinstimmungsrate zwischen Leichenschau- und Sektionsdiagnose bei fraglich iatrogenen Todesfällen im Krankenhaus.

Design

Aufgenommen in die Studie wurden nur Todesfälle in Krankenhäusern des Einzugsgebietes des Institutes für Rechtsmedizin in Kiel, die sich nach oder bei einer medizinischen Maßnahme ereignet haben. Untersucht wurden für die Studie 148 Fälle aus den Jahren 2009 bis 2014.

Hauptergebnisse

  • In etwa einem Drittel der Fälle wurde die todesursächliche Komplikation prämortal nicht erkannt. Von den untersuchten 148 Fällen stimmte nur bei 91 Fällen (61,5 %) die klinisch angegebene Todesursache mit der in der Sektion festgestellten Ursache vollständig oder weitgehend überein.
  • Die höchste Übereinstimmungsrate gab es mit 84,4 Prozent (27/32) bei den Fällen mit einem infektiös-toxischen Organversagen. Bei der Todesursache Lungenembolie betrug die Rate 75 Prozent (9 /12). 
  • Bei 53 Todesfällen durch autoptisch gesicherte Blutungskomplikationen nach medizinischen Eingriff stimmten die prä- und postmortale Diagnosen in 34 Fällen überein (64,1%), bei Pneumonien lag die Übereinstimmungsrate bei knapp 53 Prozent. 
  • Bei fast der Hälfte (18/40) der unentdeckten Komplikationen mit Todesfolge waren Blutungskomplikationen die Todesursache.

Klinische Bedeutung

In den vergangenen Jahren ist zwar die Ausbildung der Medizinstudenten hinsichtlich der ärztlichen Leichenschau verbessert worden. Auch Fortbildungsveranstaltungen zu diesem Thema sind häufiger geworden. Dennoch: Allein dadurch scheint der Studie zufolge „eine Verbesserung der Qualität der Leichenschaut" nicht erreicht zu werden. Die Studie zeigt darüber hinaus, dass vor allem „bei fraglich iatrogenen Todesfällen vor dem Hintergrund gleichbleibend niedriger Sektionszahlen in Deutschland und nach wie vor sinkender Sektionszahlen in den pathologischen Instituten der autoptischen Sicherung der Todesursache immense Bedeutung“  zukomme, „gerade auch, um die klinische Leichenschaudiagnose zu verifizieren, Komplikationen einer medizinischen Behandlung zu erkennen und in ihrer Häufigkeit beurteilen zu können“. Auch im Hinblick auf die Erfassung medizinischer Behandlungsfehler sei die gerichtliche Sektion nach wie vor Mittel der Wahl zur Feststellung der Todesursache.

Finanzierung: keine Angaben