Studie weist auf negative Folgen geringfügiger Hörminderungen bei Schulkindern

  • JAMA Otolaryngology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Kinder haben schon bei geringfügig verminderten Hörleistungen ein höheres Risiko für schulische Probleme und Verhaltensauffälligkeiten.

Hintergrund

Dass Kinder mit einem schweren Hörverlust häufiger Verhaltensproblem haben und in der Schule schlechter abschneiden als ihre Klassenkameraden, ist bekannt. Allerdings gibt es bisher nur wenige Studien, welche die Häufigkeit dieser Probleme bei geringfügigen Hörminderungen untersucht haben.

Design

Querschnittstudie im Rahmen der „Generation R-Studie“, bei der die Entwicklung von 5355, zwischen 2002 und 2006 in Rotterdam geborenen Kindern bis in die frühe Erwachsenenzeit anhand regelmäßiger körperlichen Untersuchungen und mit Fragebögen verfolgt wurde.  Etwa ein Zehntel der Kinder war ausgeschlossen worden, weil sie moderate bis schwere Hörverluste hatten, oder weder verhaltens- noch schulische Daten vorlagen. Damit gingen letztlich audiometrische- und Verhaltensdaten von 4779 Kindern im mittleren Alte von 9,8 Jahren in die Analyse ein. Das Verhalten wurde dabei durch die primäre Erzieherin bzw. den primären Erzieher anhand der Child Behavior Checklist beurteilt, die schulische Leistung durch einen standardisierten Test mit 12 Jahren.

Ergebnisse

  • Es fanden sich für Mädchen und Jungen unterschiedliche Assoziationen zwischen der gemessenen Hörschwelle und dem Auftreten von Verhaltensproblemen.
  • Eine höhere Sprachwahrnehmungsschwelle waren bei den Mädchen mit größeren Aufmerksamkeitsproblemen assoziiert: Der standardisierte ß-Koeffizient betrug 0,04; 95%-Konfidenzintervall 0 – 0,08).
  • Bei den Jungen waren höhere Hörschwellen bei niedrigen Frequenzen in der Reintonaudiometrie mit insgesamt größeren Verhaltensproblemen assoziiert, sowie mit größeren sozialen- und Aufmerksamkeitsproblemen (ß = 0,01; 95%-KI 0 – 0,02).
  • Eine schlechtere schulische Leistung schließlich korrelierte bei beiden Geschlechtern mit einer höheren Sprachwahrnehmungsschwelle (ß = - 0,07; 95%-KI – 0,10 bis – 0,02).

Klinische Bedeutung

Hörminderungen, die nach Angaben der Autoren bei etwa 15 bis 23 % der Schulkinder nachweisbar sind, sind meist geringfügig ausgeprägt (16 – 25 dB) und gelten daher nicht als klinisch relevant. Die aktuelle Untersuchung zeigt jedoch, dass bereits im unteren Bereich der Hörminderungen negative Effekte nachweisbar sind – sowohl auf die schulische Leistung, als auch auf Verhaltensprobleme generell. Die Effektgrößen sind zwar gering. Vermutlich würden diese Kinder aber dennoch von zusätzlicher Unterstützung profitieren, meinen die Autoren. Und umgekehrt könne es sich lohnen, Kinder mit Lernschwierigkeiten unklarer Ursache auch bezüglich ihres Gehörs zu untersuchen.

Finanzierung: New Opportunities for Research Funding Agency Cooperation in Europe Initiative (NORFACE).